Kulinarische Spielereien mit Bier
Im Trend - Craft-Biere
Walter König (li. im Bild) mit Sterne-Koch Harald |
Zum Einsatz kommen zunächst die so genannten Craft-Biere, die seit 20 Jahren vor allem auf dem amerikanischen Markt kursieren.
Allerdings – bis die nach etwas aussehen und schmecken braucht es sehr viele
Inhaltsstoffe. Diese Charakterbiere machen auf dem Weltbiermarkt einen Prozent
aus, benötigen aber 20 Prozent der gesamten Hopfenernte. Zum Kochen allerdings
sind sie aufgrund ihres starken Malzgehalts bestens geeignet, erklärt Werner
König.
Und wie passt das zum Reinheitsgebot?
Auch in Bayern können außergewöhnliche Biere mit
den süß-fruchtigen oder Kaffee-Aromen hergestellt werden, ohne das bayerische
Reinheitsgebot zu verletzen. Dies bedarf allerdings einer besonderen
Verfahrensweise und stellt eine große Herausforderung an die Brauereien dar. Zum
einen gibt es das Weizenröstmalz, welches geröstet wird wie Kaffee und dennoch
normales Malz ist, so dass es im Rahmen des bayerischen Reinheitsgebotes
verwendet werden darf und die erforderliche Röstbittere erzeugt.
Entrecote mit zweierlei Saucen, Speckbohnen und Rosmarinkartoffeln |
Entenbrust mit scharfer Mango-Salsa auf Salat |
Das nächste Spielfeld bietet der Hopfen, welcher überwiegend aus der Hallertau aber auch aus Tettnang am
Bodensee oder Spalt bei Nürnberg stammt. In der Hallertau, dem größten
Hopfenanbaugebiet, hat die Gesellschaft für Hopfenforschung ihren Sitz. Dort wurden in den letzten 100 Jahren Hopfensorten mit diesem bitteren oder süßen
Geschmack gezüchtet. Es gibt überdies Hopfen, der nach Maggikraut oder nach
Zitrone duftet. Einst wurden solche Hopfensorten allerdings aussortiert und
nicht für die Herstellung von Bier lanciert. Aufgrund der Nachfrage kommen sie in letzter Zeit wieder zum Einsatz. Besonders die „Mandarina bavaria“ ist eine sehr alte
Hopfensorte. Sie gibt extrem starke Orangenaromen frei, welche sich dann im Bier
wiederfinden. Eine weitere Verwendungsmöglichkeit ist Ale-Hefe
aus England für besonders fruchtige Biere. Sie sind hervorragend für Soßen geeignet. Ale-Hefe ist noch fruchtiger als Weißbierhefe.
Bier, das nicht mehr sauer werden kann, weil es das bereits ist
Gewürzkaffeecreme mit Birnen |
Im Trend liegt im Moment der Versuch, Biere je nach Saison zu
brauen. Aber das - so meint König - „das gab es in Bayern schon immer“. Neu ist
auch die Sauerbierwelle, die sich nach Meinung Königs in Deutschland nicht
durchsetzen wird. Wir bringen saures Bier in Verbindung mit schlechtem Bier. Obwohl
Belgien zum Beispiel eine lange Tradition im Hinblick auf die Sauerbiere hat.
Dieses saure Bier ruht, bis es gärt. Das bekannteste Sauerbier
in Deutschland ist wohl die Berliner Weiße. Diese wird allerdings selten pur getrunken, sondern in der Regel mit Himbeersirup vermischt, um die gewohnte leichte Süße wieder zu schaffen. Die Berliner Weiße ist im Grunde ein Pendant zum belgischen Sauerbier. Die Säure entsteht bei der Milchsäuregärung. Das Bier schmeckt ein bisschen nach Applewoi und ist gerade „hipp“.
Wenn man kein Sauerbier zum Kochen zur Verfügung hat, kann man auch Essig
verwenden.
Das deutsche und das bayerische Reinheitsgebot
Zanderfilet mit Riesling-Biersauce auf Sauerkraut |
Für den kulinarischen Einsatz gut geeignet ist der Aventinus Eisbock, der im Hopfen sehr viel Bitteres hat. Er eignet sich besonders gut für eine Soße. Mit seinen 12 Prozent ist der Alkoholgehalt sehr hoch, dafür aber der Geschmack außerordentlich kräftig. Das Aroma erinnert ein wenig an Banane. Fruchtige Tendenzen erhält man außerdem bei kalt gehopften oder obergärigen Bieren. Insgesamt spielen die sogenannten Leitaromen eine bedeutende Rolle für die Harmonie der Speisen.
Zum Schluss noch der Salat
Ein Kochkurs bei Harald lohnt sich also, er hat einige
Geheimnisse auf Lager. Übrigens - Bier soll nicht zu lange gekocht werden, da
es sonst bitter wird. Es wird also erst zum Schluss beigement. Und noch einen
Tipp hat der Profi: der Geschmack orientiert sich am Koch. Also nicht zu zaghaft sein beim Ausprobieren.
Und am Rande erwähnt: zu Gerichten mit Bier harmoniert auch sehr gut Bier als
Getränk, da es leichter ist als Wein. Guten Appetit! Harald`s Kochschule
Die Rezepte dazu gibt es auf der Seite des Brauerbundes:
Bayerischer Brauerbund e.V.
Oskar-von-Miller-Ring 1
80333 München