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Mittwoch, 15. Juni 2016

Bonmot "Leben wie Gott in Frankreich"

Bonmot "Leben wie Gott in Frankreich" 



Wieso lebt Gott ausgerechnet in Frankreich?



Leben wie Gott in Frankreich. Oft benutzt, aber selten hinterfragt. Warum also lebt er nun angeblich ausgerechnet in Frankreich. Sehr zum Bedauern der Wiener übrigens, bei denen ein klagender Ausdruck  feststellt: “Gott ist nicht zu Hause, er ist in Frankreich”.
Wenn der Name der Republik fällt, erscheinen in unserem inneren Auge augenblicklich Bilder von herrlich blühenden Lavendelfeldern, traumhaften Stränden, gigantischen Kathedralen und majestätischen Schlössern. Frankreichkenner schwelgen darüber hinaus noch in Gedanken an Naturschauspiele wie den Gouffre de Padirac, das 75 Meter tiefe Teufelsloch mit einem Durchmesser von 33 Metern inklusive unterirdischem Flusslauf,  bizarre Felsformationen an den Küsten oder Zeugnisse der Vergangenheit im Landesinneren. Wie die Höhle von Lascaux, welche einige der ältesten abbildenden Kunstzeichnungen der Menschheit vorzuweisen hat.
Und last but Not least assoziieren wir nicht enden wollende Gaumenfreuden in mehreren Gängen. Tatsächlich hat schon Frankreichs umstrittene Königin Katharina von Medici, die sich wie man sagt nicht nur mit Kräutern, sondern auch mit der Giftmischerei befasst hat, hochrangige Köche aus der ganzen Welt an ihren Hof geholt. Im 17. Jahrhundert ging man gerade im Land der kulinarischen Vielfalt dazu über, die Gerichte nach berühmten Persönlichkeiten zu benennen und an der Zubereitung von diversen Saucen zu tüfteln. Cognac , Champagner, Coq du vin, Moules aux herbes und und und sind der Inbegriff für französische Genüsse. Das ist Frankreich in den Köpfen der Menschen, erklärt aber immer noch nicht weshalb Gott gerade eben dort wohnen soll.
Wo liegt also nun der Ursprung dieses Bonmots. Wer auf Nummer sicher gehen will, der sollte lieber auf Redewendungen wie die Made im Speck ausweichen. Da weiß man definitiv wo`s herkommt. Für den Ursprung des “Vivre comme dieu en France” wie der Franzose wörtlich übersetzt sagen würde, jedenfalls gibt es mehrere Definitionen. Ironie pur auf jeden Fall: Leben wie Gott in Frankreich wird von den Franzosen selbst nur selten benutzt. Der Franzose spricht dann schon eher vom Leben in Saus und Braus “mener une vie de plaisir”.  Wobei durch das Plaisir verwundernswerter Weise eine sehr abgeschwächte Form von Freude ausgedrückt wird.
Georg Büchmann jedenfalls beruft sich in seinen 1864 erschienenen “Geflügelten Worten” auf  Zincgref-Weidners „Apophtegmata“ (1693). Der schreibt dort über einen Ausspruch Kaiser Maximilians  I. (Regierungszeit von 1493 bis 1519) „Wenn es möglich wäre, dass ich Gott sein könnte und zwei Söhne hätte, so müsste mir der älteste nah mir und der andere König in Frankreich sein“. Frankreich als Sinnbild für Lebensart – nicht nur die uneingeschränkte Macht wurde damals von den Herrschern der Welt eifersüchtig und teilweise sehr neidvoll beäugt.
Tatsächlich war der absolutistische Herrscher vor allem in Frankreich Gott sehr nahe. Wie der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. (1643-1715) in dem eventuell gar nicht von ihm stammenden Zitat festgestellt haben soll „L`etat c`est moi“. Der Staat das bin ich – oder was für mich gilt, gilt für Euch noch lange nicht.
Glaubt man allerdings Krüger-Lorenzen in seinem Band „Deutsche Redensarten und was dahinter steckt“, dann hätte Leben wie Gott in Frankreich eine andere Bedeutung. Während der französischen Revolution wurde anstelle der Gottesfürchtigkeit auf die Vernunft gesetzt. Da blieb für Gott und seine Geistlichen nichts mehr zu tun. Leben wie Gott in Frankreich würde also heißen,  Urlaub machen, in diesem Fall zwangsweise beurlaubt worden zu sein. Und wer keine Aufgabe mehr hat, der kann sich getrost dem Müßiggang hingeben. Schlendern, faulenzen, sich den weltlichen Genüssen widmen.
Der Duden gesteht, dass die Herkunft nicht genau geklärt ist und schreibt  “Möglicherweise entstand die Redewendung kurz nach der Französischen Revolution, als in Frankreich für einige Zeit der „Kult der Vernunft“ an die Stelle des Christentums gesetzt wurde. Oder auch, dass mit Gott die französische Geistlichkeit gemeint sei, der es bisweilen sehr gut ging.
Da bleibt nur noch anzumerken „Je ne sais pas“. Ich weiß es nicht. Oder, um den griechischen Philosophen Sokrates (469 bis 399 v. Chr.) zu zitieren„Ich weiß dass ich nichts weiß“. Das stammt nebenbei bemerkt erwiesenermaßen von ihm, oder etwa doch nicht?


Dienstag, 3. November 2015

Bonmot "Es brennt wie Zunder"

Bonmot "Es brennt wie Zunder"


Ebenfalls – wenn auch etwas entfernt – mit dem Essen zu tun hat eine weitere Redensart. Heute haben wir hochmoderne Öfen und Mikrowellen, um unsere Speisen zu erwärmen. Aber dereinst – vor sehr, sehr langer Zeit, da wurde über offenem Feuer gekocht. Manche machen das zwar heute auch, aber nur aus Spaß an der Freude. Notwendig hätten sie es nicht angesichts Umluft, Ceranfeld und so weiter und so weiter.

Unsere Vorfahren waren zunächst einmal nur in der Lage, Feuer am brennen zu halten, bevor sie herausfanden wie man es schaffen konnte, dasselbe zu entfachen. Im praktischen Sinne. Jedenfalls mussten mangels Feuerzeug oder Elektroanzünder in der Steinzeit andere Methoden her, um an die begehrte Wärmequelle zu kommen.

Nun - aus der Zeit, als man noch mit eigenen Händen das Feuer entfachen musste, stammt der Ausdruck „es brennt wie Zunder“. Wenn etwas brennt wie Zunder, dann brennt es sehr leicht und sehr gut. Aber immer ist dafür eine Quelle nötig, an der es sich entzünden kann, ein Funken. Der wurde meist mit zwei Feuersteinen entfacht. Fiel der Funken dann auf den darunterliegenden Zunder bedurfte es nur noch eines kleinen Windstoßes und es brannte wie Zunder eben brennt - lichterloh. Zunder ist ein leicht entflammbarer Schwamm, den unsere Urahnen als Unterlage verwendet haben.
Es handelt sich dabei um einen Baumschwamm. Das Feuerzeug der Steinzeit bestand aus einem Behälter mit Zunder, einem Feuerstein und einem Pyritstein zum Fukenschlagen. So einen Zunder trug übrigens auch der berühmte „Ötzi“, die 5300 alte Gletschermumie aus der Jungsteinzeit, der 1991 in den Alpen in Südtirol gefunden wurde, bei sich.


Bonmot "Da ist der Wurm drin"

Bonmot "Da ist der Wurm drin"


Nicht immer ist ein Wurm im Essen etwas Ekel erregendes. In vielen Ländern der Welt stellt er eine regelrechte Delikatesse dar.  Er ist Kalorien-, fett- und cholesterinarm und ein geballtes Paket aus hochwertigem tierischem Eiweiß. Vor einigen Jahren sprossen die Spezialitäten-Restaurants, in denen Insekten und Würmer serviert wurden, nur so aus dem Boden. Überlebenskünstler berichten immer wieder vom Proteingehalt und dem Nährwert derselben. Von der beliebten Finanzspritze für bedürftige Ex-Promis im Dschungelcamp, die sich überwinden alles mögliche Getier vor laufenden Kameras zu verspeisen, ganz zu schweigen.

In unseren Breitengraden aber heißt es, wenn ein Wurm im Apfel ist, dann stimmt irgendetwas nicht, irgendetwas läuft schief. Nicht so wie wir es wollen. Wir signalisieren unserem System im Körper, es kommt ein roter Apfel, eine knackige Birne, eine saftige Himbeere oder leckere Kirsche. Der stellt sich auf genießen ein. Und bei näherem Betrachten stellt sich heraus, ein Wurm war vor uns da. Sofort signalisiert das Gehirn „Achtung eklig“. Ob das anerzogen ist oder einfach unserem europäischen Standard entspricht, darüber lässt sich streiten. Ob es vernünftig ist, so zu reagieren auch.

Im schlimmsten Fall aber ist es bei der Entdeckung gelegentlich nur noch ein halber Wurm. Was bedeutet, dass wir wohl einen Teil davon bereits verschluckt haben. Wer nicht nach dem Motto handeln kann, ich schau einfach nicht hin, sollte sich vor dem Verzehr vergewissern, dass das Obst unbewohnt ist. Da ist es besser, auf der Hut zu sein. Aufzupassen, bevor wir „kraftvoll“ hineinbeißen ob sich da nicht jemand schon längere Zeit an den Vitaminen gütlich tut und eventuell mitgegessen wird. Aber selbst wenn – lebensbedrohlich, gefährlich oder unhygienisch ist das eigentlich nicht, es ist in keinster Weise schädlich.


Wenn der Wurm allerdings einst in den Holzhäusern nagte, so konnte das tatsächlich sehr viel Unheil bedeuten. Gerade der Holzwurm konnte ganze Häuser zum Einsturz bringen. Da war dann wirklich arg der Wurm drin, das konnte richtig gefährlich werden. In der modernen Kommunikationsgesellschaft sprechen wir auch von Computerwürmern, die unsere Festplatte ganz schön durcheinander bringen können. Da haben wir dann auch den Wurm drin. 

Bonmot "Eulen nach Athen tragen"

Bonmot "Eulen nach Athen tragen"


Eulen nach Athen tragen würde heute niemand mehr, man würde sie fliegen, fahren oder verschicken. Allerdings – was sollen Eulen in Athen. Gibt es dort etwa keine, essen sie die auf oder werden sie von den Meeresmöwen wieder vertrieben. Wieso also brauchen die Athener Eulen. Der Clou ist, sie brauchen gar keine Eulen. Eulen nach Athen  tragen ist so sinnlos wie einen Tropfen Wasser in einen Wasserfall gießen oder ins Meer. Eine vollkommen überflüssige Anstrengung also. Unsinnig eben wie Eulen nach Athen zu tragen.



Ebenso unsinnig, wie „Lignam in silvam ferre“ - Holz in den Wald tragen, wie es der Dichter Horaz (65 – 8 v. Chr.) später beschrieben hat, Bier nach München zu transportieren oder Schnee nach Lappland, wie die Russen zu sagen pflegen. Abwandlungen über den Sinn und Unsinn jeglicher Handlungen in jeder Form sind zulässig und können der heutigen Zeit angepasst werden. Wie wäre es z.B. mit von den Aussagen der Politiker einen Kern Wahrheit zu suchen, zu glauben wissenschaftliche Untersuchungen könnten die Bedrohung durch Kernkraftwerke analysieren, zu denken die Pharmaindustrie würde sich um unser Wohlergehen sorgen. Sinnlos. Die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. An dieser Stelle möge sich jeder selbst seine Gedanken machen über Sein und Schein.


Weit über 2000 Jahre bezeichnet man jedenfalls völlig ergebnislose Vorgänge schon so. Seit der griechische Dichter Aristophanes den Bonmot in seiner Komödie die Vögel verwendet hat. „Wer hat die Eulen nach Athen gebracht?“. Das wäre heute gleichzusetzen mit Tauben nach Venedig tragen. Die haben dort eine Taubenplage und die Athener hatten dereinst eben bereits sehr viele Eulen. Eulen die sich zu Ehren der Schutzgöttin der Stadt, der Göttin Athene, dort aufhielten. Sei es als lebendige Wesen oder in Form zahlreicher Statuen und Kunstwerke. Pallas Athene, ein Inbegriff der Weisheit. Eines ihrer Symbole war die Eule, die man für besonders klug hielt aufgrund ihrer großen Augen und der Fähigkeit, auch nachts zu sehen.


Allerdings vermutet man gelegentlich eine weitgehendere Bedeutung des Ausdrucks. Man unterstellt Aristopanes gelegentlich, er habe damit ausdrücken wollen, dass es sinnlos sei, einen Vogel, welcher ein Symbol für Klugheit ist, in eine Stadt, der es an Weisheit mangelt zu bringen. Vielleicht war es aber auch eine Anspielung auf das reiche Athen. Eulen zierten damals die athenischen Münzen. Silbermünzen in eine ohnehin überaus reiche Stadt zu transportieren wäre ebenfalls überflüssig.  Ob das Sprichwort angesichts der angespannten finanziellen Lage Griechenlands in „Euro nach Athen tragen“ seine Forstsetzung erfährt, wird die Zukunft zeigen.

Bonmot "Die Butter vom Brot nehmen"

Bonmot "Die Butter vom Brot nehmen"


Sollte uns heute jemand die Butter vom Brot nehmen, dann wäre das nicht weiter bedrohlich. Unhöflich ja, aber schädlich für das leibliche Wohl auf gar keinen Fall. Wenn uns jemand die Butter vom Brot nehmen sollte, dann nehmen wir uns eben eine neue. Es ist ja genügend da.
Allerdings war das nicht immer so. Einst war die Butter ein wertvolles Gut. Es spendete … und konnte eigentlich nur von gut situierten Personen aufs Brot geschmiert werden. Für alle anderen, die ärmeren war das schon fast so wertvoll wie heute das Gold.

Die zeiten ändern sich und damit auch die Gepflogenheiten. Aber die Sprichwörter für manche Sachen erhalten sich im Sprachgebrauch. Obwohl niemand mehr wirklich weiß, was dahinter steckt, welche Auswirkungen die beschriebenen Vorkommnisse einst hatten. Was sie bedeuten, das wissen wir alle. Rein rhetorisch. Aber praktisch. Da würde es wohl keine großen asuwirkungen auf unser Wohlergehen ahben, wenn uns jemand die Butter vom Brot nimmt.  

Bonmot "Die Tafel aufheben"

Bonmot "Die Tafel aufheben"


Viele Redewendungen handeln vom Essen. Ist ein Essen beendet, spricht man davon dass die „Tafel aufgehoben wird“. Das kann man sich getrost bildlich vorstellen. Der Ausdruck stammt nämlich tatsächlich daher, dass der Tisch nach dem Essen davon getragen wurde. Allerdings nicht, damit die nimmer satten Endlosesser zu einem Ende kommen, sondern weil im Mittelalter die Tafel, also der Tisch, tatsächlich von den Bediensteten komplett in den Speiseraum transportiert und anschließend wieder weg getragen wurde. Zumindest bei höher gestellten oder adeligen Personen.

Zu Ende war das Schmausen, wenn der Chef des Hauses genug hatte. Er gab dann das Zeichen, die Tafel aufzuheben. Woraufhin die Dienstboten die komplette Tafel mit Geschirr und Speiseresten aus dem Raum trugen. Wohl gut, dass man damals noch nicht so auf die Gesundheit geachtet hat. Langsame, bewusste Esser hätten da vielleicht des Öfteren hungrig vom Tisch aufstehen müssen.

Tafel ist ein altes Wort für Speisetisch und wird heute häufig in Zusammenhang mit einem vornehmen Mahl genutzt. Ganz widersprüchlich zu den so genannten Tafeln, in denen in manchen Großstädten überschüssige, aber qualitativ einwandfreie Lebensmitteln eingesammelt werden und an Bedürftige weitergereicht. Allein in unserer Hauptstadt Berlin werden 20 Prozent der Lebensmittel weggeworfen.


Eine ganz andere Art den Speisetisch verschwinden zu lassen, hat sich übrigens der technisch versierte bayerische Märchenkönig Ludwig II. einfallen lassen. Auf seinem Schloss Herrenchiemsee gab es ein „Tischlein deck Dich“. Einen Tisch, der mit Speisen beladen wie von Zauberhand aus dem Boden auftauchte und anschließend wieder verschwand. Möglich wurde das durch eine mechanische Verbindung in den darunter gelegenen Raum. Später hat der einsame Könige gelegentlich mehrere Gedecke für nicht existente Personen mit aufdecken lassen und speiste zu äußerst ungewöhnlichen Zeiten. So musste seine Belegschaft  gegen 04.00 Uhr morgens ein komplettes Menü zaubern und eine Gedeck inklusive Speisen für den französischen Sonnenkönig mit auflegen. Ein großes Vorbild von König Ludwig II., welcher allerdings zu Lebzeiten des bayerischen Königs schon lange verstorben war.

Bonmot "Tomaten auf den Augen"

Bonmot "Tomaten auf den Augen"


Diese Redewendung bedeutet, dass jemand etwas nicht bemerkt oder nicht sieht. Aber warum ausgerechnet Tomaten und nicht etwa Birnen oder Kartoffeln? Sobald man die vor den Augen hat, sieht man ja auch nichts mehr. Der Ausspruch Tomaten auf den Augen hat nicht unbedingt mit äußeren Einflüssen zu tun. Vielmehr liegt das Geheimnis im Inneren des Auges.

Der Grund dafür ist leicht nachvollziehbar. Tomaten sind ja bekanntlich rot. Genauso sehen auch unsere Augen aus, wenn wir müde oder verschlafen sind. Und müde Menschen sind oft auch nicht ganz so aufmerksam und bemerken wichtige Sachen nicht. Deshalb haben sie dann die sprichwörtlichen „Tomaten auf den Augen“.
Gerade in unserer Zeit könnte man meinen, es gibt immer mehr Menschen mit dem Nachtschattengewächs vor dem Sehnerv. Allerdings ohne bestimmten Grund. Das liegt aber dann häufig auch am Desinteresse an seinem Nächsten, an grenzenlosem Egoismus und mangelnder Empathie. Und nicht zwangsweise an schlaflosen Nächten.

Mittlerweile sind die überreizten, geröteten Augen aber auch tagsüber zum Phänomen geworden. Das liegt wiederum an unserem Computerzeitalter. Es handelt sich also um einen Ausspruch, der wieder aktueller den je zu werden scheint.


Bonmot "Wo der Pfeffer wächst"

Bonmot "Wo der Pfeffer wächst"

Manchmal wünscht man jemanden dorthin, wo der Pfeffer wächst und zwar meistens dann, wenn der Betreffende nicht erwünscht ist oder man ihn einfach nicht sehen will.
Wo der Pfeffer wächst – das war einst auf jeden Fall ausgesprochen weit weg.
Gelegentlich wurde den „Usern“ dieses Sprichwortes ein ganz besonders bösartiger Wunsch unterstellt. Eine Deutung der Herkunft dieses Ausdrucks bezieht sich nämlich auf Französisch-Guayana. Eine Region Frankreichs in Südamerika. 1852 bis 1951 existierte dort eine Strafkolonie unter dem Namen „Archipel der Verdammten". Wenn man jemanden dorthin verbannen wollte, dann hatte man ein sehr schlechtes Ansinnen. Dort in Lateinamerika wächst außerdem der scharfe Cayenne-Pfeffer. Allerdings wird Cayenne nicht aus der Frucht des Pfeffergewächses, sondern aus Paprika hergestellt.
Andere Quellen beziehen sich auf die Entdeckung des Seeweges nach Indien. So soll der Ausspruch zu einer Zeit entstanden sein, als der Pfeffer von dort nach Europa transportiert wurde. Und die Malabarküste in Indien lag für damalige Verhältnisse schon in fast unerreichbarer Entfernung, am Ende der Welt beinah. Wenn man jemanden dorthin wünschte, der kam ebenfalls so schnell nicht wieder. Zumindest zu der Zeit, als die Redewendung entstand.  Der Ausspruch stammt aus Thomas Murners Werk "Narrenbeschwörung" aus dem Jahr 1512 herrühren.
Heute, da die Flugzeuge mit ihrer großen Geschwindigkeit die Menschen an alle beliebigen Teile der Erde bringen, müsste man jemanden den man nicht mehr sehen will noch viel weiter weg schicken. Damit er auf alle Fälle nicht so bald wieder auftaucht. Da wird wohl in absehbarer Zeit auch der Mond nicht mehr ausreichend weit entfernt sein. Vielleicht wäre in Zukunft die Sonne die bessere Option. Leider wächst da nichts.

So kommen wir zum Ende der Serie über kulinarische Sprüche noch auf ein neu erfundenes Bonmot exklusiv für die Leserl. Ihn wünschen wir auf keinen Fall an den Ort, „an dem Ikarus sich seine Flügel verbrannt hat“ - die Sonne.


Dafür wünschen wir allezeit die Sonne im Herzen.

Bonmot "Das interessiert nicht die Bohne"

Bonmot "Das interessiert nicht die Bohne"

Würde heute jemand einen Finger krumm machen für ein Reiskorn oder ein Weizenkorn. Oder eventuell für eine Bohne. Sicher nicht. Man könnte ohnehin nicht satt werden von einer einzigen. Also so etwas ist heute wirklich nicht der Mühe wert. In unserer Überflussgesellschaft würden wir uns nicht einmal mehr nach einem Sack Bohnen umdrehen. Die meisten jedenfalls. Die Supermärkte locken mit kulinarischen Genüsse aus aller Welt. Als Lieferant für wichtige Nährstoffe sind wir also schon längst nicht mehr auf Bohnen angewiesen.

Im Mittelalter aber war die Bohne mit ihrem hohen Eiweißgehalt ein wichtiges Nahrungsmittel. Obwohl man damals ohnehin nicht Essen im Überfluss hatte - um eine einzelne Bohne hätte sich sogar zu der Zeit niemand gemüht. Daher stammt der Ausspruch - es interessiert mich nicht die Bohne. Da kannst Du mir erzählen was Du willst, die Aussage ist absolut unbedeutend.

Bohnen dürfen übrigens niemals roh verzehrt werden, da sich erst beim Kochen die gesundheitsschädlichen Lektine in Luft auflösen bzw. zerstört werden. Dann aber versorgen sie uns mit wichtigen Mineralstoffen, Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen.

Die frostempfindliche Bohne, die wir vermeintlich seit Urzeiten als Bestandteil deutscher Bauerngärten kennen, stammt übrigens aus den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas und kam im 16. Jahrhundert nach Europa.


Wie groß die Anzahl der Bohnen sein müsste, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Und wie es sich dann mit der braunen Kaffeebohne verhält. Das interessiert vermutlich „nicht die Bohne“. 

Bonmot "Seinen Senf dazugeben"

Bonmot "Seinen Senf dazugeben"


Da kann das Essen noch so wenig schmackhaft sein, Senf oder Ketchup macht alles wieder wett. Besonders in Bayern kennt man dieses Erfolgserlebnis bei Weißwürsten aus der Dose oder der Tiefkühltruhe. Da hilft nur noch eine kräftige Ladung Senf. Um den unnatürlichen „Touch“ zu überdecken.

So hielten es einst auch die Wirte im 17. Jahrhundert mit dem Senf. Ungefragt besaßen sie die Angewohnheit, zu jedem Essen eine gehörige Portion davon zu servieren. Durch seine scharfe Würze überdeckte er so manches. Ein Grund dafür mag allerdings auch der gewesen sein, dass damals gerade Senf ein ausgesprochen kostbares Gewürz war. Man zeigte „Klasse“ wenn man ihn einsetzte und demonstrierte das auch so oft wie möglich. Auch wenn es eigentlich nicht zum Gericht passte - man war stolzer Senfbesitzer und wollte das auch kundtun.

Senf und Meerrettich waren lange Zeit die einzige Möglichkeit für die europäischen Köche, eine scharfe Würze ins Essen zu bringen. In China fanden die scharfen Körner bereits seit 3000 Jahren Verwendung, während sie erst ab dem 8. Jahrhundert in Mitteleuropa zum Einsatz kamen.


Mit Senf ein minderwertiges Essen aufzuwerten, das kann mindestens so unangenehm sein wie Ratschläge, nach denen nicht gefragt wurde. Daher stammt die Redewendung „seinen Senf dazugeben“ für eine Situation, in der sich jemand in ein Gespräch einmischt – oder schlimmer noch seine eigene Meinung penetrant mitteilt. Ohne dass ihn jemand dazu aufgefordert hätte. 

Bonmot "Einen Toast aussprechen"

Bonmot "Einen Toast aussprechen"

Mit vollem Munde spricht man nicht lehrt der Knigge Guten Benehmens. Auch der Toast macht da keine Ausnahme. Woher kommt also das Sprichwort „einen Toast aussprechen.“

Mittlerweile gilt das nicht mehr. Aber einst war der Wein aus dem klimatisch nicht so begünstigten England nicht sehr schmackhaft. Angeblich war das der Grund, weshalb man im 18. Jahrhundert bei großen Festessen in England eine Scheibe gerösteten Toast in den Wein getan hat, um den Geschmack zu verbessern. Wein gehörte zum Fest ebenso wie die Festrede. Einen Tost sprach man also immer dann aus, wenn man mit einem Glas Wein zu einem Trinkspruch anheben wollte.

Bereits seit dem Mittelalter kannte man in England geröstetes Weißbrot unter dem Begriff Toast. So wie wir ihn heute kennen, gibt es denselben bei uns in Deutschland allerdings erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Ungeröstet wird er heute in England unter dem Begriff Sandwich gehandelt. Und der wiederum soll vom Earl of Sandwich, einem begeisterten Kartenspieler anno 1762 während der Ausübung seiner Leidenschaft erfunden worden sein. Der Hunger packte den spielenden Earl. Um seine Tätigkeit nicht unterbrechen zu müssen, bat er um Essen in zwei Brotscheiben. Und regte damit den Appetit eines Mitspielers an, der darauf hin ein Brot wie Sandwich verlangte. Ein Sandwich eben. Später wurde das Ereignis beschönigt. Nicht beim Nachgehen seiner Leidenschaft, sondern während seiner Arbeit am Schreibtisch soll den Earl der Hunger gepackt haben.


Bonmot "Untreue Tomate"

Bonmot "Untreue Tomate"

Können Tomaten untreu sein und wenn dann wem? Vielleicht dem Mozzarella, wenn sie sich mit grünem Salat verbünden statt dessen. Oder dem Basilikum. Der ist ja sehr geschmacksintensiv und manche Leute mögen ihn nicht. Wenn sich die Tomate dann den Kräutern aus der Provence nicht verweigert. Ist sie dann dem Basilikum gegenüber untreu. Lassen wir das. Mit Sicherheit gibt es wichtigere philosophische Themen, über die zu diskutieren es sich lohnt.

Dem Spruch untreue Tomate auf den Grund gegangen, landet man nämlich in einer ganz anderen, völlig überraschenden Richtung. Man höre und staune. Es besteht eine Verbindung zwischen der Tomate und dem italienischen Herzensbrecher mit seinem Ruf, der ihm vorauseilt. Oder der ihn verfolgt, je nachdem. Mittlerweile sind es ja längst nicht mehr überwiegend die Italiener, welche sich nicht schwer tun in fremden Revieren zu wildern.

Einst aber bestimmten Vorurteile noch mehr als heute die vermeintlichen Charakteristiken. Casanova mag zu diesem Image wohl seinen Anteil beigetragen haben. Und dass die Italiener gerne Tomaten essen, lässt sich nicht bestreiten. Ist ja auch kein Wunder, unter der Sonne des Südens reifen die Nachtschattengewächse besonders gut heran und entfalten ihr volles Aroma. Fazit: Die Italiener essen Tomaten und sind untreu. Punkt. Also steht eine untreue Tomate als Synonym für einen abtrünnigen Menschen.


Ob da ein wenig Neid dahinter gesteckt ist. Wer weiß. Das Liebäugeln mit weiblichen Personen ist ja nun nicht ausschließlich den Italienern vorbehalten. Welche übrigens - auch ein altes Vorurteil - sobald sie verheiratet sind ganz schön unter den Fittichen ihrer Ehefrauen stehen sollen. Dann flirten sie eben, um noch ein klein wenig ihrer Freiheiten auszukosten. Und dass sie dauernd Tomaten essen. So ein Unsinn, nicht wahr. Wissen wir doch heute, dass die Italiener Spaghetti mit Knoblauch und Öl am häufigsten verzehren neben der Pizza - auf der zugegeben auch Tomaten vorhanden sind. Die Deutschen essen Kraut, die Türken Döner. Vorurteile kleben wie Kletten. 

Bonmot "Nach dem Speck streben"

Bonmot "Nach dem Speck streben"

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so weiter und so weiter. Manchmal im Leben muss man sich entscheiden, Prioritäten setzten. Ein Gewinn kann gelegentlich einen Verlust bedeuten.

Wenn nun der Speck, einst wesentlich mehr wert weil nahrhafter als die Wurst, nicht ohne Preis zu erreichen ist. Dann muss man bereit sein, für den Speck auf die Wurst zu verzichten. Also, man nehme eine Wurst und werfe damit nach dem höher hängenden Speck. In der Hoffnung, dass der Speck dann herunterfällt. Hinterher spielt es auch keine Rolle mehr, wenn die Wurst nicht mehr genießbar weil geplatzt ist. Man hat dann schließlich ja den hochwertigen Speck. Wer da lange zögert und darüber nachdenkt, ob er nicht beides verlieren könnte, der hat bereits verloren. Zumindest wenn er Wert darauf legt, nach Höherem sprich nach dem Speck zu streben. Der Speck hing tatsächlich immer höher oben als die Wurst.

Das Einsatzgebiet dieses Sprichwortes ist groß und lässt sich in viele Lebensbereiche übertragen. Will man mit einer kleinen Gefälligkeit eine große Gegenleistung erzielen oder sich mit einer kleinen Gabe eine wertvollere einhandeln. Auf jeden Fall erhofft man ein Gegengeschenk. Wobei die Betonung – wie bei der Wurst eben auch – auf der Hoffnung liegt. Gelegentlich kann das ja auch ins Auge gehen. Was heißt, dass manche Menschen dankbar annehmen, ohne das erwünschte Ergebnis. Dann ist die Wurst weg. Und es gibt auch keinen Speck. Man hat mit der Wurst zur Speckseite geworfen und entweder den Speck ergattert oder beides verloren.


Bonmot "Kohldampf schieben"

Bonmot "Kohldampf schieben"


Der Ausdruck Kohldampf schieben bietet Raum für eine Menge Spekulationen. Hat man den noch dampfenden Kohl auf einem Serviertisch herein geschoben und damit den Hunger gestillt. Sicher nicht. Kohl ist eine Arme-Leute-Speise gewesen und die bekamen ihre Mahlzeiten unter Garantie  nicht auf einem Tablettchen serviert. Es gibt auch keinen Zusammenhang mit dem „Dampf machen“ im Sinne von schnell garen wie z.B. in einem Schnellkopf. Man kann da keineswegs zur Eile antreiben, da gerade der Kohl relativ lange Kochzeiten benötigt. Es wird auch nicht abgeleitet davon, weil man das Gemüse gelegentlich dämpft, bevor es auf den Tellern landet. Oder vielleicht kommt die Redewendung daher – wenn etwas dampft reagiert der Körper in freudiger Erwartung einer Speise. Nase an Magen. Es dampft und riecht, da kommt gleich was zu essen. Auch das erscheint nicht sinnvoll. Wie man ja weiß, verströmt der Kohl gerade beim Kochen einen besonders intensiven, aber  überwiegend unangenehmen Geruch, der noch lange in der Küche verhaftet bleibt. Aber auch diese Erklärung ist falsch.  

Die Entstehungsgeschichte ist ganz banal. Es handelt sich schlicht um eine wörtliche Übersetzung. In gewisser Weise aus einer Fremdsprache. Jedenfalls für diejenigen, welche nicht vorzugsweise in Gaunerkreisen verkehren. Aus einer Art Geheimsprache oder „Fachjargon“ für Halunken und Landstreicher, dem Rotwelschen, stammt das „Kohldampf schieben“. Rotwelsche waren soziale Randgruppen, welche es bereits im späten Mittelalter schon gegeben hat. Diese Bezeichnung wiederum entstand aus dem Wort Rotte für Rot und welsch beschreibt etwas Fremdartiges. Das ist ganz nebenbei bemerkt der Grund, weshalb die Münchner die Türme ihrer Frauenkirche als welsche Hauben bezeichneten. Weil die Zwiebelform zur Bauzeit im bayerischen Raum vorher noch nicht vertreten war und äußerst merkwürdig erschienen ist. Rotwelsch ist insgesamt eine abwertende Bezeichnung für einen gewissen Personenkreis. Und die hatten ihren eigenen Dialekt oder ihren eigenen Slang wenn man so will. Um sich miteinander zu verständigen und ihre Identität und Zusammengehörigkeit zueinander zu demonstrieren. So ähnlich wie die Börsianer heutzutage. Die sprechen ja auch ihre ureigene Sprache.

Und in diesem Kauderwelsch bezeichnet das Wort Kohler den Hunger. Verstärkt wird der Begriff noch durch den Anhang Dampf. Scheffen hingegen steht für das Verb sein/haben. Also zusammengefasst: Kohl verstärkt mit Dampf und scheffen dazu Hunger sein/haben ist gleich Kohldampf schieben. Wir sehen, Kohldampf schieben hat mit Kohl absolut nichts zu tun. Dem Kohl verdanken wir Deutschen höchstens die Bezeichnung „Krauts“ – Sauerkrautesser, wie wir einst von Engländern und Amerikanern nicht gerade liebevoll genannt wurden. Nun, dabei haben wir Deutschen absolut nicht  das Sauerkraut für uns gepachtet. Am häufigsten verspeist wird das nämlich in Frankreich. Und überwiegend hergestellt ebendort. Als Vermächtnis französischer Mönche, die Idee ihrerseits von den Römern geklaut haben sollen.


Aber wenn wir schon mal beim Kohl sind - um die Tatsache zu relativieren, dass dieser bei der Zubereitung eigenartige Düfte von sich gibt. Beim Verzehr schmeckt er ganz vorzüglich und liefert gerade in der kalten Jahreszeit heimische Genüsse mit wertvollen Inhaltsstoffen. 

Bonmot "Es geht um die Wurst"

Bonmot "Es geht um die Wurst"


Es geht um die Wurst bedeutet im übertragenen Sinne es geht um alles oder nichts. Eine Wurst kann ergo über Sein oder nicht Sein entscheiden! Diese enorme Bedeutung hätte die Wurst eigentlich nicht. Obwohl sie lebensnotwendige Eiweiße und Fette enthält. Gerade in der heutigen Zeit ist das allerdings in erster Linie ein Problem. Etwas was man eigentlich nicht unbedingt benötigt. Meist nimmt man ohnehin zu viel davon auf und hat deshalb ständig mit den Kalorien zu kämpfen.

Der Hintergrund für diese Redewendung liegt auch nicht in ernährungstechnischen Aspekten begründet. Die Wurst galt und gilt in manchen Regionen heute noch insbesondere bei Kartenspielen, Eisstockturnieren oder anderen sportlichen Wettkämpfen als Siegertrophäe. Und da geht es dann gelegentlich schon um alles. Um das eigene Ego, um eine Gemeinschaft welche gegen eine andere Gemeinschaft unbedingt gewinnen will. Diesbezüglich wird in ländlichen Gebieten manchmal um die Ehre eines ganzen Dorfes gekämpft. Darum, den anderen zu demonstrieren: wir sind die Besseren. Und da kommt es dann schon darauf an, wer die Wurst gewinnt. Das ist dann eben nicht „Wurst“. Was dann wieder soviel bedeutet wie egal.


Bonmot "Mit dem ist nicht gut Kirschen essen"

Bonmot "Mit dem ist nicht gut Kirschen essen"


Kirschen aus Nachbars Garten schmecken am besten. Aber mit jemandem gut Kirschen stehlen zu können, heißt ja nicht zwangsläufig, dass man sie mit ihm auch gut essen kann. Ist die Beute erst mal gemacht, kann es ja durchaus sein, dass man sich beim Essen derselben entzweit. Kirschen stehlen ist übrigens kein Kavaliersdelikt, sondern Mundraub.

„Mit dem ist nicht gut Kirschen essen“ ist laut Duden eine Redensart, die sich aus dem Sprichwort „wer mit Herren Kirschen essen will, dem werfen sie die Stiele in die Augen“ entwickelt hat und war einst als Warnung an Untergebene vor den Launen der hohen Herren gedacht. Nur Wohlhabende konnten sich im 18. Jahrhundert den Luxus eines Kirschbaumes leisten. Und wer in den Genuss der süßen Früchte kommen wollte, der musste sich eben auch mit den Kehrseiten der Medaille abfinden. Mit der arroganten Behandlung durch die edlen „Kirschenstifter“, den reichen Leuten. Heute will uns dieser Spruch vor unangenehmen Zeitgenossen warnen.

Die Kirsche zählt übrigens zu den Rosengewächsen zur Gattung Prunus. Trotz ihres intensiven Geschmacks ist sie relativ pflegeleicht. Besonders liebreizend mit ihren unzähligen rosaroten Blüten im Frühjahr zeigt sich die Japanische Blütenkirsche, eine Zierkirsche, welche nicht für den Verzehr geeignet ist. Interessant sind auch die diversen Bezeichnungen für die Kirsche in den einzelnen Dialekten. Das Repertoire reicht von Kriesi im Badischen über die bayerischen Kiaschn und die schwäbischen Kriese bis hin zu den hessischen Kesch. Die Berliner zaubern sogar noch einen Umlaut mit hinein und nennen sie Kürsche. Während die Kölner eine Vorliebe für die Körsche entwickelt haben.


Die Welthauptstadt der Kirsche ist Traverse City, jedenfalls bezeichnet sie sich selbst so. Die Stadt in Michigan USA feiert jedes Jahr im Juli das Nationale Kirsch-Festival. Im Piemont, berühmt geworden durch Film und Fernsehen und die Piemont-Kirsche dominiert der Anbau von Weinreben. Nicht der Anbau von Kirschen wie man vermuten könnte. Allerdings hat die Firma mit der berühmten Piemont-Kirsche, verpackt in Schokolade, umhüllt von Alkohol ihren Sitz im Piemont. 

Bonmot "Es zieht wie Hechtsuppe

Bonmot "Es zieht wie Hechtsuppe"


Es zieht wie Hechtsuppe sagt man, wenn man von unangenehm starkem Luftzug berührt wird. Fische sollen ja gar nicht lange ziehen, sonst zerfallen sie, verlieren ihren Geschmack und sind nicht mehr zu genießen. Es gibt also keinen Zusammenhang in kulinarischer Hinsicht zwischen den Fischen und dem Ausdruck. Macht ja auch gar keinen Sinn, weil das Gefühl von Kälte mit dem Genuss von Fisch überhaupt nichts zu tun hat. Ob den Fischen der Wind um die Nase zieht, sobald sie aus dem kühlen Nass heraus geholt wurden und dann in die Atmosphäre mit Sauerstoff eingetaucht werden. Das können wir sie ohnehin nicht fragen. Aber auch darum geht es nicht.

Das Ganze ist so weit hergeholt als wenn man einem Bayern einen „halven Hahn“ präsentiert. Ein halber Hahn ist für einen Süddeutschen, Oktoberfest geeichten Menschen nichts anderes als ein halber Hahn vom Grill eben. Aber weit gefehlt. Im Originaldialekt versteht man darunter nur ein halbes Brötchen belegt mit Käse. Da hat das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.

Ebenso wie die Hechtsuppe mit dem Zug. Auch hier gibt es weder einen direkten Zusammenhang, noch eine Ableitung. Es ist eine der Übersetzungen, die in der Originalsprache ganz etwas anderes meinen. Man nehme nur einmal die Cozze. Italienische Miesmuscheln, die mit der Bedeutung des Wortes im Deutschen in der Regel überhaupt nichts gemein haben. So ergeht es auch der Hechtsuppe.

Im jiddischen Dialekt spricht man von „hech soppa“ und meint damit einen starken Sturm. Daraus wurde dann die Hechtsuppe, in der es zieht.


Bonmot "Honig ums Maul schmieren"

Bonmot "Honig ums Maul schmieren"


Damit will man sagen, dass man jemand schmeichelt, um ihn günstig für sich zu stimmen. Man schleimt wie wir im Deutschen auch gelegentlich sagen. Honig und Schleim. Beides ist klebrig, das ist wohl wahr. Den Honig aber als schleimige Masse zu bezeichnen würde der Qualität des Imker-Produktes Unrecht tun. Also kann man wohl diese Herkunft ausschließen.

Manche Quellen begründen den Ursprung darin, dass man jemandem Honig mit dem Löffel verabreicht - vorzugsweise den kleinen Kindern - um sie gnädig zu stimmen. Gelegentlich wird das süße Naschwerk auch auf dem Schnuller verabreicht, was bekanntlich tatsächlich zu einer ziemlichen Schmiererei ausartet. Auf jeden Fall ein Trick mit Geling-Garantie.

Warum sollte das, wenn es bei den menschlichen Naschkatzen funktioniert, nicht auch bei einem Gott seinen Zweck erfüllen. Die Wendung wird nämlich gelegentlich auch auf einen chinesischen Brauch zurückgeführt. Deren Küchengott sollte dem Glauben nach am 25. des letzten Monats in den Himmel steigen, um dort über die Hausbewohner Bericht zu erstatten. An jenem Tag wurde daher besonders eifrig geopfert und den kleinen Küchengott-Figuren Honig auf die Lippen gestrichen.

Diese Erklärung allerdings findet im „Duden Redewendungen“ wenig Anklang. Er bezieht sich auf das liebevolle Füttern von Kleinkindern, um sie gnädig zu stimmen.


Bonmot "Dreikäsehoch"

Bonmot "Dreikäsehoch"


Als laufender Meter oder auch als Dreikäsehoch müssen sich gelegentlich kleine Kinder bezeichnen lassen. Insbesondere dann, wenn sie sich größer wähnen, als sie sind.
Offensichtlich gab es schon im 18. Jahrhundert derart kleine Naseweise, die sich für klüger hielten als der Rest der Welt. Damals fand man nämlich für sie die Bezeichnung Dreikäsehoch. Um sie scherzhaft wieder an ihre eigentliche Größe zu erinnern.

Woher die Redewendung stammt, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Auch eine genaue Vorschrift, wie hoch diese drei Käselaibe sein müssen, gibt es nicht. Ausgeschlossen werden kann auf jeden Fall, dass damit drei Camembert gemeint sind. Das Maß berechnet sich nach richtigen Käselaiben mit mindestens zwanzig Zentimeter in der Höhe. Nach holländischer Art mit einem Umfang so groß wie ein Auto-Rad. Auch wenn das für einen Käse schon stattliche Ausmaße sind, ist ein Mensch mit einer Höhe von drei Käselaiben dennoch noch sehr klein.

Ebenso hoch ungefähr wie drei aufeinander gestapelte Kisten. Gelegentlich liest man nämlich auch, dass der Begriff „Dreikäsehoch“ aus einer Wortabwandlung herrührt. Auf Französisch heißen die Kartons caisse. Was sich dann später in Käse verwandelt haben kann abstammend von drei Kisten hoch.
Das Fazit bleibt auf jeden Fall gleich: Klein bleibt klein ob in Kisten oder Käsen gemessen. Für einen neunmalklugen Sprössling verwenden die Franzosen übrigens einen ganz anderen Spruch: „a peine haut comme trois pommes.“ Kaum drei Äpfel hoch.


Bonmot "Beleidigte Leberwurst"

Bonmot „Beleidigte Leberwurst“


Kann eine Leberwurst beleidigt sein. Wenn ja, wie äußert sich das? Nun, dass Leberwürste Gefühle zeigen, davon wollen wir einmal nicht ausgehen. Und dennoch verwenden den Ausdruck „Beleidigte Leberwurst“ bereits die kleinen Kinder. Warum also werden wir Menschen ausgerechnet mit einer Leberwurst verglichen, wenn wir schmollen oder verärgert sind?

In diesem Zusammenhang geht die Reise zurück in die Zeit, in der man die einzelnen Funktionen unseres Mysteriums Körper noch nicht recht zu deuten wusste. Und so sah man im Mittelalter die Leber als Organ, welches für Reaktionen zuständig ist. Sogar die Gelehrten gingen davon aus, dass alle Gefühle des Menschen, egal ob Trauer, Liebe oder Wut, in der Leber produziert werden. Und wenn sich nun jemand einfach so angegriffen fühlte, ohne handfesten Hintergrund, dann hatte jemand seine Leber gekränkt. Er hatte eine beleidigte Leber.

Die Wurst kam erst später zur Redensart dazu. Es hätte also genau so gut ein schmollender  Leberknödel daraus werden können. Wäre da nicht ein Metzger gewesen, der seine Leberwürste demütigte bis sie vor Wut platzten. Denn er entfernte alle anderen Würste, wie zum Beispiel die Blutwurst, vor der Leberwurst.  Aus einem ganz einfachen Grund. Sie müssen nicht so lange kochen müssen. Es gab dafür also einen handfesten Grund. Allerdings hat der die Leberwurst nicht interessiert. Weil sie allein im Kochtopf bleiben musste, war sie beleidigt.  So haben wir heute eine beleidigte Leberwurst im Gegensatz zur Laus, die einem  über die Leber gelaufen ist. Da unterstellt man den Betroffenen nämlich, dass sie tatsächlich berechtigten Grund haben, verärgert zu sein. Warum aber jetzt hier wieder ausgerechnet eine Laus. Eine Laus ist ein kleines Tier und da es sich wenn einem eine Laus über die Leber gelaufen ist nur um eine kleine Unpässlichkeit handelt, braucht man dafür auch ein kleines Tier. Ein Elefant über die Leber – das wäre dann schon wieder eine Steigerung. Darüber hinaus beginnen beide Worte nicht mit den gleichen Anfangsbuchstaben. Gerade das wird aber häufig in Sprüchen, die die Menschen sich leicht merken können sollen genutzt. Laus – Leber. Es handelt sich dabei um eine rhetorische Angelegenheit, welche man als Alliteration bezeichnet.