Donnerstag, 18. April 2013

Lifestyle a la Mittelalter ist in Deutschland hoch im Kurs


Ein Mittelaltermarkt erinnert an die schöne Seite des dunklen Zeitalters

Auch das so genannte dunkle Zeitalter hatte ein paar positive Seiten: Das scheinen uns die Mittelaltermärkte sagen zu wollen. Dort wird gefeiert, geplaudert, Wissen untereinander ausgetauscht, gegessen und  teilweise auch genächtigt. Ganze Zeltlager sind es, die dort entstehen, es wird gegrillt und der Musik gelauscht. Eine angenehme Atmosphäre innerhalb einer kleinen Gemeinde und ein Lifestyle, der so gar nichts mit dem Klischee „dunkles Mittelalter“ zu tun hat.

Dass dieser Ära in unserer Geschichte ein derart negatives Image anhaftet, hat wohl mit sehr vielen Dingen zu tun. Unser heutiges Bild vom Mittelalter ist geprägt vom Gedanken an Feudalismus, Inquisition und auch dem Schreckgespenst Pest, welche bis zu 30 Prozent der Bevölkerung dahin raffte. Für christliches Fehlverhalten wurde man als Ketzer und später dann als Hexe bestraft. Bei letzterem waren die Alternativen nicht allzu groß. Ein Beispiel für die Aussichtslosigkeit in mancher Lage ist die Wasserprobe für Hexen: Wenn die Beschuldigte beim Ertränken unterging, konnte sie nicht zaubern. Ergo – sie war unschuldig. Schwamm sie oben, war sie schuldig und wurde verbrannt – wegen Hexerei.




Nach dem Aufruf von Papst Urban II. im Jahre 1095 begannen die Kreuzzüge, bei denen Andersgläubige notfalls mit Gewalt bekehrt werden sollen. Dahinter steckten natürlich auch politische und wirtschaftliche Gründe. Den Menschen, die unter Hungersnöten, Armut und häufig religiös motivierten Kriegen litten, wurde dafür eine Belohnung im Jenseits versprochen.

Insgesamt war das Leben geprägt von kirchlichen Vorstellungen. Bildung bestand hauptsächlich darin Gebete auswendig zu lernen und die Gottesdienstordnung zu beherrschen. Die Schulen wurden im 6 bis 10 Jahrhundert von Kirchengemeinden betrieben. Die modernen Ansichten von Philosophen und Naturwissenschaftlern wurden der jeweils gültigen Lehre der Kirche angepasst. Zur Not wurden Textpassagen in mühsamer Kleinarbeit gestrichen und überschrieben.






Das Mittelalter war aber auch eine Zeit des Frohsinns mit Minnesängern und Heldendichtung. Zu den antiken „Sieben freien Künste“ zählten Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. In die letzte Sparte gehören die deutschen Minnesänger, welche seit 1170 an den Adelshöfen auftraten um vornehmen Burgdamen zu huldigen. Als Dichter und Komponist in einem trugen sie ihre Verse zur Fidel, Laute oder Harfe vor. Zu den bekanntesten zählen wohl Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach oder auch Hartram von Aue. Daneben glänzten Helden, Märtyrer und Ritter mit ihren tapferen Taten. In Friedenszeiten widmeten sich die Ritter den Turnieren zur Belustigung oder als sportlicher Wettkampf.
.
Während die Kirche die Märkte gering schätzte - „als Kaufmann kann der Mensch kaum oder niemals Gott wohlgefällig sein“ - hatte König Pippin der Jüngere bereits 744 die Errichtung von Märkten angewiesen. Um einen Platz zu schaffen, an dem die Händler ihre Waren feil bieten konnten.

Diese waren bestimmt die Highlights im Leben des Durchschnitts-Mittelalter-Menschen. Eine Zeit, auf die sich die Menschen freuten, in der Ausgelassenheit und Frohsinn überhand hatten. Fahrende Künstler übermittelten mangels Internet damals die aktuellen News aus dem Land, erzählten Gegebenheiten, die sie auf ihrer Reise erlebten und berichteten über neue Trends und Mode. Vor allem die Bürgerlichen erwarteten mit Spannung die Markttage, genauso wie heute viele Fans auf den Beginn der Saison hoffen. 





Auch Robin von Reutlingen freut sich schon auf die diesjährigen Mittelalterfeste mit den Märkten und den musikalischen und kulinarischen Darbietungen "Auch wenn es im letzten Jahr geregnet hat, hatte ich viel Spaß auf dem Markt. Gute Musik, nette Händler und jede Menge Leute. Ich bin mir sicher, daran kann dieses Jahr angeknüpft werden und drücke die Daumen, dass das Wetter besser wird."

Besonders beim Mittelalterfest in Thiepval im April sollte die Sonne über der traumhaften Kulisse lachen. Dort ist wieder einiges geboten - nicht nur für die Eingefleischten - sondern auch für alle die sich einfach einmal darauf einlassen und die zauberhafte Atmosphäre genießen wollen.

Einst brachten die Kreuzfahrer die Stimmung aus 1001 Nacht zu uns, deshalb dürfen auf so einem Event auch Orientfrüchte- und Gewürze inklusive Stimmung nicht fehlen, fürs leibliche Wohl sorgt die Mittelalterküche unter anderem mit der Wildschweinbraterey, mit Stockbrot, Steckerlfisch und allem was dazu gehört. Auch mittelalterliche Handwerkskunst ist vertreten, gezeigt wird zum Beispiel die Herstellung von Schmiedeeisernem, Laternen, Bürsten, Düften aber auch Stoffen und Lederarbeiten. 
Präsentiert in originalgetreu und überwiegend sehr phantasievollen Buden.

Lagernde Gruppen mit vielen Gewandeten vervollständigen den Gesamteindruck und verschaffen dem ganzen Treiben ein ureigenes Flair. Und auch wenn sich der Tag dem Ende neigt ist noch lange nicht Schluss mit Lustig. Feuerkünstler erhellen die Nacht mit Ihrer Darbietung, welche anschließend noch musikalisch umrahmt wird.  

Der Veranstalter hat viel Überraschendes angepriesen, eine etwas andere Mittelalterliche Veranstaltung soll es werden, ein Fest, bei dem der Besucher mitmachen kann aber nicht muss. Und bei der er für drei Tage wenn er denn will einmal ein ganz Andrer sein darf und soll. Ein Fest für alle Sinne also mit allem Drum und Dran, auf das man gespannt sein darf.


Freitag, 12. April 2013


Das Nymphenburger Parkschlösschen Badenburg

Der erste beheizbare Indoor-Pool der Neuzeit

Gut dass das Becken nicht mehr befüllt ist. Allein der Anblick des prunkvollen Baderaumes würde nicht nur Badenixen zum Hineinspringen verleiten. Aber auch die anderen Räume sind absolute Schmuckstücke. Dazu zählt  das pünktlich zum China-Jahr  2008 aus dem Dornröschenschlaf geholte „Affenkabinett“ mit wertvollen chinesischen Papiertapeten.

Die von Joseph Effner, dem bayerischen Hofbaumeister unter Max Emanuel,  um 1719 erbaute Badenburg zählt zu den drei Parkburgen, die sich im naturnah gestalteten Stil des Nymphenburger Schlossparks verborgen halten. Es liegt malerisch direkt am Ufer des größten der beiden Seen, dem Badenburger See.  Am Ufer gegenüber ist von hier aus sehr gut der Apollo-Tempel, ein Rundtempel im griechischen Stil, zu sehen.

Der Eingang mit den zwei Sandsteinlöwen erinnert ein wenig an die Feldherrnhalle. Hinter der klassizistischen Fassade der Badenburg eröffnet sich der Festsaal mit einem Deckengemälde Apollos mit dem Sonnenwagen, der mühsam den Nebel der Nacht beiseite schiebt. Dieses stammt von Jacopo Amigoni, der vorwiegend die Fresken im Schloss Schleißheim gestaltete. Die badenden Nymphen weisen gleich auf die Bestimmung des Schlösschens hin.

Drei Räume der Badenburg sind mit wertvollen chinesischen Tapeten ausgestattet. Im Zuge der Chinoiserie, der Begeisterung für den Fernen Osten im 17. Jahrhundert, von der auch die bayerischen Kurfürsten ergriffen wurden, fanden auch die chinesischen Tapeten als Vorläufer aller Tapeten Verbreitung. Sie zeigten meist Szenen aus dem Alltag oder Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt. Im Vorzimmer und im Spielzimmer der Badenburg handelt es sich hauptsächlich um Darstellungen blühender Zweige, exotischer Blumen und Vögeln sowie von Schmetterlingen.  

Das chinesische Kabinett, das so genannte „Affenkabinett“ ist der kleinste Raum der Parkburg. Das dreihundert Jahre alte Zimmer ist nach zwanzig Jahren nun vollständig restauriert wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Die acht Affen auf dem Gemälde sollen verschiedene Tätigkeiten von Dichtern und Denkern „nachäffen“. Diese ironische Darstellung menschlicher Handlungen war im 18. Jahrhundert ein beliebtes Mittel, versteckt Kritik zu üben. Fast wie im richtigen Leben könnte man da sagen. Während einer der vermenschlichten Affen sorgsam ein Rechnungsblatt prüft, lässt es sich sein  Zuschauer mit Wein und Schinken gut gehen. Etwaige Ähnlichkeiten mit Personen aus dem öffentlichen Leben sind dabei rein zufällig. Einst war dieser kleine Raum das Schreibzimmer des Kurfürsten Max Emanuel, der als Türkenbezwinger wegen seiner blauen Uniform auch den Beinamen „Blauer Kurfürst“ erhalten hat.  Auch die geschnitzte und versilberte Garnitur bestehend aus  einem Tischen und zwei Hockern  wurde gründlich renoviert.

Der zweistöckige Baderaum, nach den Thermen der Antike das erste beheizbare Hallenbad der Neuzeit,  hingegen zeigt mythologische Szenen. Der obere Raum in Form einer Galerie ist  mit Stuckmarmor ausgekleidet und mit einem schmiedeeisernen Geländer versehen. Im beheizbaren Badebecken wurden holländische Fliesen verlegt. Insgesamt ein sehr einladender Raum, in dem man das Vergnügen der Badegäste förmlich noch spüren kann. An der Decke weist wiederum die Darstellung von Wassernymphen auf die Bestimmung des Raumes hin.

Neben der Badenburg gibt es noch zwei weitere Parkschlösschen, die Amalienburg und die Pagodenburg. Die Magdalenenklause ist eine kurfürstliche Eremitage im Stil einer Ruine. Auch das Innere von Schloss Nymphenburg kann besichtigt werden. Im Marstallmuseum befinden sich königliche Kutschen und eine Porzellansammlung. Gleich neben Nymphenburg ist auch der botanische Garten und das Museum Mensch und Natur. 

Das Nymphenburger Parkschlösschen Amalienburg

Erst wird gejagt, dann gekocht


Deutschlands schönstes Lustschloss des europäischen Rokoko ist eigentlich „nur eine Jagdhütte“. Aber bei den bayerischen Herrschern musste ja bekanntlich schon immer alles ein wenig üppiger ausfallen. Die Bayerische Kurfürstin Amalia hat selbst gejagt und gekocht. Im Inneren der Parkburg gibt es aber außer der Prunkküche der Kurfürstin noch andere kunstvoll ausgestattete Räume zu sehen.

Mitten im von Viktor von Sckell angelegten Landschaftsgarten der Sommerresidenz Schloss Nymphenburg liegt dieses Jagdschloss, welches Karl Arlbrecht 1734 seiner Frau, Kurfürstin Maria Amalia, einer Tochter Franz Josephs I., geschenkt hat. Der Architekt des kleinen Schlösschens ist Cuvillies der Ältere. Natürlich darf in einem Jagdschloss ein Hinweis auf die Jagdgöttin Diana nicht fehlen. Eine Skulptur von ihr ist über dem Eingang angebracht.

Die Hundekammer, der erste Raum des Rundganges rechts vom Eingang,  wurde von Amalia für ihre vierbeinigen Lieblinge sehr kuschelig eingerichtet. Sogar die Wände und die Decke sind mit Motiven aus der Jagd liebevoll bemalt worden. Darunter befindet sich auch die Abbildung einer Eule als Lockvogel. Ob die Hunde das zu schätzen wussten, ist nicht überliefert. Aber gefallen hat ihnen sicher die Einrichtung. Es gab  eigene Kojen, in die sich die Vierbeiner zurückziehen konnten. Darüber sind Schränke für die Aufbewahrung von Gewehren angebracht.

Danach folgt eine sehr kleine Kammer ebenfalls in Blau und Weiß dekoriert, in der sich der Leibstuhl befunden hat. Er ist raffiniert versteckt hinter einer Klapptüre. Über den Eckraum, das so genannte Blaue Kabinett, erreichen wir den Ruheraum, der ganz in Geld und Silber gestaltet ist. Gemälde zeigen hier den Kurfürsten Karl Albrecht und Maria Amalia im Reitkostüm.

In der Mitte liegt das  Highlight in diesem Schlösschen, der in Blau und Silber gestaltete Spiegelsaal mit den vier Deckenfiguren der Diana, der Meeresnymphe Amphitrite, der Gesetz gebenden Ackerbaugöttin Ceres und dem Weingott Bacchus. Dieser größte Raum bildet das Zentrum des Schlösschens und soll die Natur draußen widerspiegeln. Die Stuckarbeiten stammen von Johann Baptist Zimmermann.

Das anschließende Jagdzimmer wurde ebenfalls in Gelb und Silber gestaltet. Die Gemälde hier zeigen eine Seinelandschaft, eine Flusslandschaft mit wilden Tieren und verschiedene Darstellungen von Jagdszenen. Ein weiterer Eckraum an dieser Seite des Schlösschens, das Gegenstück zum „Blauen Kabinett“ ist das Fasanenzimmer. Es wurde nach Art chinesischer Stofftapeten bemalt.

Als letzten Raum betreten wir die Küche, ein  besonderes Schmuckstück der Amalienburg. Die Jagd begeisterte Kurfürstin Amalie soll außerdem auch eine leidenschaftliche Köchin gewesen sein. Vielleicht hat man hier die Fasane, die  bequem vom Balkon des Schlösschens geschossen werden konnten, gleich mundgerecht zubereitet.  Die  Wände sind mit blau-weißen holländischen Kacheln gefliest. Diese stammen aus der Manufaktur Rose in Delft. An der Decke zeigen Bilder Szenen aus dem chinesischen Alltag, wie sich ihn die Europäer damals vorgestellt haben. In der Küche befindet sich außerdem ein Castrol Herd. Ein Topfherd, welcher der erste Herd mit einem geschlossenen Feuerkasten gewesen ist.


Die Magdalenenklause im Schlosspark Nymphenburg

Eine Ruine zur Besinnung

Auch Gebäude sind dem Verfall preisgegeben. Aber dass man sich bewusst ein halb verfallenes Gebilde in den Garten stellt, mag damals schon noch verwundert haben. Die Magdalenenklause zählt zu den ersten gewollt ruinös gestalteten Gartenbauten in Europa. Darin verbirgt sich allerdings eine meisterhaft gestaltete Kapelle in Form einer Grotte.

Eine Einsiedelei, deren „Ansehen Dürftigkeit ankündigt“ ließ sich der Kurfürst Max Emanuel 1725 von seinem Hofarchitekten Joseph Effner im Schlosspark der Sommerresidenz Nymphenburg erbauen. Unweit des Schlosses wollte er sich hier vom höfischen Prunk erholen, einen Platz zur Besinnung finden. Vielleicht zählt der Kurfürst zu den ersten der Back zu the roots – Bewegung. Er, der als gefeierter Türkenbezwinger der Liebling der Münchner gewesen ist, musste während der Herrschaft der Österreicher über Bayern beinah zehn Jahre im Exil verbringen. Vielleicht hat ihn nach seiner Rückkehr die Zeit zum Nachdenken gefehlt.

Über eine kleine Vorhalle erreichen wir den Kapellenraum, der beinah die Hälfte des gesamten Bauwerkes einnimmt. Der Eindruck des schlicht gestalteten, klösterlichen Gemäuers fehlt hier allerdings gänzlich. Die Kapelle ist in Form einer Grotte gebaut mit Wänden aus Tuffstein, bunten Steinen, Muscheln und künstlichen Korallen. In einer Nische der Grotte steht eine Statue der Maria Magdalena, der die Kapelle auch gewidmet ist. Die Deckengemälde zeigen Szenen aus dem Leben der büßenden Heiligen. Das Quellwasser, das in dem Becken gesammelt wird, soll heilende Kräfte für die Augen besitzen. Eine Besonderheit sind die Leuchter am Altar, sie sind aus dem Zahn eines Narwals hergestellt worden. In der Kuppel über dem Wasser gibt eine Öffnung den Blick in den Himmel frei.


Bei ihm, der in fortgeschrittenem Alter sehr religiös war, diente das Gebäude aber auch zur liturgischen Einkehr. Es sollte ein Ort der Stille und der Besinnung sein, ein Platz der an die Vergänglichkeit des Seins ermahnt. So sind die vier Wohnräume aus der Sicht des Kurfürsten sehr schlicht gestaltet. Sie wurden mit einer Eichenholzvertäfelung ausgestattet. Der große Kachelofen konnte drei Räume gleichzeitig beheizen.

Im Speisezimmer finden wir ein byzantinisches Kreuz und einen geschnitzten Kronleuchter aus Olivenholz. Im letzten Zimmer finden wir eine Betsockel vor einem Fenster, welches den Blick auf die Kapelle freigibt. Hier wollte der Kurfürst in kniender Haltung dem Gottesdienst beiwohnen. Die feierliche Einweihung hat er jedoch nicht mehr miterlebt. In den Räumen befinden sich außerdem ein Ölbilder der Büßenden Magdalena, Federzeichnungen der Passion Christi und eine Serie von Darstellungen verschiedener Ermemitenbehausungen.






Das Nymphenburger Parkschloss Pagodenburg

Das kurfürstliche „Sportheim“

Wegen der  Darstellungen der Pagoden, chinesischer Gottheiten im Inneren, wurde dieses Lustschlösschen im Stil des chinesischen Rokoko so genannt. Von außen erinnert das achteckige Gebäude tatsächlich weniger an eine chinesische, turmförmige Pagode, so wie man sich das normalerweise vorstellt. Aber spätestens im exotisch gestalteten Obergeschoss erklärt ein Hauch von Fernost  die Berechtigung für diese Bezeichnung.

Das kleine Schmuckstück ist ein beeindruckendes Zeugnis der Ostasienmode, die im 17. Jahrhundert in Europa um sich griff. Angeregt durch Berichte von Übersee Reisenden und den Handel entwickelte sich ein richtig gehendes „Chinafieber“, welches unter dem Begriff Chinoiserie sogar eine eigene Bezeichnung fand. Jeder, der etwas auf sich hielt, gestaltete chinesische Kabinette und füllte sie mit wertvollem Porzellan, Lack und Seide aus dem Fernen Osten.

So ließ auch Kurfürst Max Emanuel von Joseph Effner um  1716  im Schlosspark seiner Sommerresidenz, Schloss Nymphenburg, ein chinesisches Bauwerk errichten. Das Lustschlösschen diente der Erfrischung nach dem Spiel Paille Maille, dessen Bahn in Form eines Hufeisens hinter dem Schloss lag. Ein englisches Ballspiel, vermutlich der Vorläufer des Krocket. Darüber hinaus war das kleine Lustschloss auch für intime Feierlichkeiten gedacht. Die Masken an der Eingangsseite stellen Gottheiten aus der Antike, Bacchus, den Gott des Weines, Flora, die Göttin der Blumen,  den Wassergott Neptun und die gesetzgebende Göttin des Ackerbaus, Ceres dar.

Insgesamt ist die Pagodenburg eine Kombination aus fernöstlichen und europäischen Gestaltungen. So ist der große Raum im Erdgeschoss, das so genannte Salettl mit weiß-blauen holländischen Kacheln bestückt. Auf den über 2000 Kacheln sind Landschafts- und figürliche Szenen dargestellt. Sie stammen  aus Rotterdam, sollen aber an chinesisches Blau-Weiß-Porzellan erinnern.  Die Kanapees an den Ecken wirken sehr einladen, vor allem nach einem Rundgang durch die ganze Nymphenburger Schlossanlage, dürfen aber natürlich leider nicht benutzt werden.

Das Obergeschoß ist in vier Abschnitte unterteilt, von denen einen bereits der Treppenaufgang für sich in Anspruch nimmt. Oben angelangt taucht man ein in die Welt des damals noch so fremden Kontinents. Die Zimmer selbst dürfen nur vom Türrahmen aus besehen werden. Ganz Neugierige, die die abgesteckten Grenzen überschreiten, werden sofort durch einen aufdringlichen Summton auf ihr „Vergehen“ hingewiesen. Zu leicht verliert man aber auch das Gleichgewicht, wenn man auch noch in die letzten Ecken der prachtvoll ausgestatteten Zimmer blicken will. Zunächst gelangt man zu einem Ruheraum, der mit Möbeln aus rot-grünem Samt gestaltet ist. Danach zum  Schwarzen Salon und zum Roten Kabinett. Die Wände und Türen der beiden Kabinette sind in schwarzem  und rotem Lack hergestellt und zeigen exotische, chinesische Malereien mit Blumen und Vögeln.  Die Tapeten der beiden Zimmer sind im Gegensatz zu denen in der Badenburg nicht original, sondern stammen aus europäischer Fertigung. Wertvolle Pariser Möbel um 1715 mit japanischen Lackplatten zieren den Raum. In diesen Räumen findet man auch die Darstellungen der  sehr fülligen chinesischen Gottheiten, die der Pagodenburg ihren Namen gegeben haben. 

Ein Spaziergang durch den Nymphenburger Schlosspark


Kultur und Erholung Hand in Hand

Ein Spaziergang durch den  Nymphenburger Schlosspark

Nymphenburg bietet viele Möglichkeiten ob es regnet, hagelt oder schneit. Am besten aber ist natürlich der Besuch an einem sonnigen Tag. Wer Schloss Nymphenburg besichtigen will, das Museum Mensch und Natur, den Botanischen Garten, das Marstallmuseum oder einfach nur einen erholsamen Tag im Freien verbringen will, der ist hier gerade richtig. Von einem herkömmlichen Spaziergang ist man in dieser Anlage weit entfernt. Immer wieder tauchen die kleinen Parkschlösschen hinter der nächsten Kurve auf. Wer möchte kann diese von außen genießen, daran vorbeigehen und nur die Vegetation und das natur belassene Grün genießen oder auch hineingehen.

Wer von vorne herein weiß, dass er alle Parkburgen auch besichtigen will, sollte sich vor Antritt der Rundwanderung die Kombi-Karte am Eingang von Schloss Nymphenburg besorgen.


Von der Treppe am hinteren Teil des Schlosses hat man einen herrlichen Überblick über den streng gestalteten Teil des Gartens mit den Skulpturen links und rechts, die vom Kanal voneinander getrennt werden. Am Ende des Kanals ist von hier aus auch bereits die Große Kaskade zu erkennen, an der wir im Verlauf des Rundganges auch vorbei kommen werden. Links und recht davon erstreckt sich der im englischen Stil, also der natur belassen gestaltete Teil des Parks mit seinen Parkburgen und Seen.  

Beginnen wir den Rundgang auf der linken Seite, wer möchte kann auf dem Weg noch das Marstallmuseum mit den Krönungskutschen besichtigten. Es liegt ca. 100 Meter vom Rückeingang des Schlosses entfernt. An der Abzweigung Marstallmuseum gehen wir nach rechts in Richtung Amalienburg. Zunächst erreichen wir den kleinen Prinzengarten mit einem Bachlauf und eine hölzernen Brücke darüber. Der kleine Garten wurde für den Prinzen als Spielhaus erreichtet. Über einen breiten Kiesweg, der durch einen Mischwald führt erreichen wir zunächst die Amalienburg. Das kleine Jagdschlösschen ist zu besichtigen. Von der Amalienburg aus führt der Weg weiter wieder ein Stückchen nach links, bis wir wieder am Kanal angelangt sind und wieder einen Blick auf  das Schloss werfen können.

An dieser Stelle geht es weiter nach links in Richtung Badenburg. Auf der linken Seite des Weges schlängelt sich ein kleiner Bach durch den Wald, rechts davon befindet sich eine große Wiese. Sie ist teilweise mit reichlich Blumen übersät und darf daher nicht betreten werden. Andere Abschnitte hingegen laden geradezu zum Picknicken oder Sonnenbaden ein und werden gerne genutzt, teilweise verhältnismäßig freizügig. Schon bald können wir  einen ersten Blick auf den Badenburgsee werden können. Eine kleine Brücke führt über den Bach zur Badenburg. Auch diese besitzt eine interessante Innenausstattung. Von der Badenburg aus hat man auch einen herrlichen Blick auf den Apollo-Tempel am anderen Ufer und den Badenburger See. In diesem Bereich wie auch auf dem restlichen Weg sind zahlreiche Bänke zum Verweilen ein. Von der Badenburg aus hat man auch den besten Blick auf den Montopterus am anderen Ufer des Sees, der von Schwänen, Gänsen und Enten besiedelt wurde, die sich von den Sonnenhungrigen Münchnern und Touristen nicht stören lassen.

Am See entlang führt der Weg nun weiter bis zur Großen Kaskade. Auch hier gibt es wieder einige Bänke, auf denen man sich niederlassen, dem tosenden Geräusch des Wasserfalls lauschen und einen Blick auf das Schloss werfen kann.. Über die Brücke erreichen wir nun die andere Seite des Kanals und dann, wenn wir uns rechts halten, die Pagodenburg.

Nun führt der Weg weiter am Rand des formal gegliederten Teil des Schlossparks wieder in Richtung Schloss Nymphenburg. Kurz vor dem Gebäude führt ein kleiner Weg nach links in Richtung Magdalenenklause, einer Eremitage, die als Ort zur Besinnung in Form einer Kirche mit einer zauberhaften Grotte im Inneren errichtet wurde. 

Das Valentin-Musäum im Turm des historischen Isartores


„Mögen hätt`ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“ ist wohl einer der berühmtesten Sprüche des bayerischen Komikers Karl Valentin. Trauen Sie sich ruhig und werfen sie einen Blick in das Kuriositätenkabinett des münchnerischsten aller  Münchner. Verstehen muss man ihn allerdings schon, den  Humor des „Skelettgigerls“ mit dem leicht tragischen Einschlag. Wenn Sie das rostige Ding in der Wand nicht einfach nur nüchtern als bloßes Verbindungselement erkennen, sondern als „Nagel an den der Karl seinen Beruf gehängt hat“, sind Sie hier genau richtig. Dürfen darf man hier auch, nämlich seine Eindrücke hinterlassen. Zufriedene Besucher können ihre Bewertung in einem Postkasten am Ausgang abgeben. Aber auch unzufriedene Besucher werden aufgefordert, Ihrem Ärger zu Luft machen. Diese werden dann schlicht darauf hingewiesen, dass sie  eben  ein anderes Valentin-Musäum besuchen sollten.

Das Museum im Turm des historischen Isartores

Das Musäum (dies ist kein Schreibfehler, das Panoptikum des spindeldürren Münchner Originals wird bewusst so bezeichnet) ist im Wehrturm des Isartors, dem best erhaltenen Stadttor der zweiten Stadtmauer untergebracht. Laut Karl Valentin wurde dieses im Jahr 1337 eigens dafür gebaut, um die Zukunft draußen zu halten. Das Fresko an der Hauptseite des Tores zeigt Kaiser Ludwig beim Triumphzug nach dem Sieg gegen die Habsburger 1322 bei Ampfing. Kritische Stimmen bemängeln, dass sich die meisten Memoiren  an den „Nationalhelden“ der Bayern in Köln befinden und auf die Auswertung warten. Entscheiden Sie selbst. Das Musäum ist nicht besonders groß, aber „Wenn alle die kemma woitaten, kemmaten, kemman net olle nei, weil aber net olla kemma, kemman olle nei. Also kemmt`s olle, na werdn scho olle neikemma“. (Die Übersetzung hierfür lautet: Wenn alle, die kommen wollten, kommen würden, kämen nicht alle hinein. Weil aber nicht alle kommen, kommen alle hinein. Also kommt alle, dann werden schon alle hineinkommen). 2007 hätte der Meister des Unsinn, Tiefsinns und Blödsinns seinen 125. Geburtstag gefeiert. Über den bayerischen Charlie Chaplin soll ein Film gedreht werden, dessen Hauptdarsteller allerdings ein Österreicher ist. Ein Abbild des urkomischen bayerischen Originals zu finden, war eben selbst in Bayern in der heutigen Zeit nicht möglich.


Die Einstimmung in die humorvolle Kuriositätensammlung des Schauspielers, Clowns, Volkssängers und Parodisten mit dem runden, schwarzen Hut als Markenzeichen, erhält man bereits am Eingang. Wie das ganze Schaffen des bayerischen Volkskomikers fallen natürlich auch die Preise und Öffnungszeiten aus der Reihe.  Am unscheinbaren Eingang zum Museum wird darauf hingwiesen, dass man für  die 79 Stufen bis zum Turmstüberl Kalorien verliert, die beim Besuch desselben wieder eingeholt werden dürfen. Der Besuch in dem kleinen, gemütlichen Lokal  ist nach Bezahlen des Eintritts ausdrücklich erlaubt.

Schon der Aufstieg über den Wandelgang zu den einzelnen Stockwerken ist ein Erlebnis. Gleich am unteren Teil der Treppe passiert man den berühmten Nagel, an dem besagter Valentin seinen Schreinerberuf hängte, anstelle einer königlichen Robe hat man aufgrund des Platzmangels eben die Jacke des Hausmeister aufhängen müssen. Die hat er getragen, als er seine Frau kennen lernte.

Vorbei an den den Pappmachee-Füßen eines Handwerkers, der sich vor lauter Übereifer beim Bauen selbst in den Turm eingemauert hat und  einem Foto von dem Ausblick, den man von hier aus hätte, wenn die Mauer nicht wäre, gelant man zu dem in dezentem Schwarz gehaltenen Versuch des Komikers, sein vielseitiges Talent auch in der Kunst umzusetzen. Es handelt sich um das Bildnis eines Kaminkehrers bei Nacht, das kunsthistorisch betrachtet eigentlich nirgends eingeordnet werden kann. Ganz oben, kurz vor dem Turmstüberl liegt ein Marmorkuchen. Im wahrsten Sinne des Wortes, der tatsächlich in dem edlen Material geformte Kuchen soll aber absolut nicht auf die Konsistenz der Leckereien hinweisen, die es im Lokal zu verspeisen gibt. Ganz oben ist also dann das Turmstüberl, ein gemütliches Cafe, in dem die Stühle des berühmten Cafe Größenwahns im Thonet-Stil neue Verwendung finden. Mit etwas Glück sitzt man hier auf einem der Stühle, auf denen sich berühmte Persönlichkeiten wie Erich Mühsam, Frank Wedekind oder Ringelnatz niedergelassen hatten.

Im ersten Stock ist eine Ausstellung mit Fotos, Dokumenten, Zeitungsausschnitten und den geistigen Ergüssen des Herrn Valentin. Die Sammlung des größten Blödsinns enthält typische Sprüche von Valentin, die da lauten:  „Steigens ruhig ein, der Sanitäter trogt Eahna scho raus“, man findet ungiftige Schwämme, die aber trotzdem ungenießbar sind wie den  Gummi- oder Bade-Schwamm oder einen liegenden Stehkragen. Am  Kamm der Loreley hängen tatsächlich noch ein paar güldene Haare von der bezirzenden Schönheit, ein Foto zeigt Helmut Winter, der den Valentin-Taler erhielt für die Knödl-Schleuder, die er gegen Tiefflieger entwickelte. Der Fleischwolf in der Vitrine ist ebenfalls eine geniale Erfindung des Exzentrikers mit dem makabren Humor, darunter findet man die Bezeichnung „Gebissersatz“.

Der zweite Stock erinnert in Ton und Bild auch an Liesl Karlstadt, eigentlich Elisabeth Wellano, die Karl Valentin nicht nur als Partnerin auf der Bühne zur Seite stand. Hier findet man Hüte der Kabarettistin zum Anprobieren und daneben gleich einen Spiegel. Dort kann man sich über sich selbst lustig machen. Eine hohe Kunst, die das Komikerduo Karl und Liesl wie kaum jemand sonst  beherrscht hab. Über einen Außengang entlang des Isartores mit herrlichem Blick auf das Tal und das Alte Rathaus gelangt man  in den gegenüberliegenden Turm, in dem  Wechselausstellungen abgehalten werden.  

Eine wichtige Örtlichkeit, die „Befreiungshalle“ für die Herren befindet sich im zweiten Stock des Museums. Die für die weiblichen Wesen einen Stock weiter oben, direkt am Eingang zum Turmstüberl, vielleicht weil man weiss, dass die Damen der Schöpfung sich von den lecker duftenden frischen, selbstgemachten Torten leicht dazu hinreißen lassen, im Cafe zu verweilen und sich zu ein oder andere kalorienhaltige Speise zu genehmigen, um anschließend wieder um die Anzeige auf der Waage zu beklagen.

Karl Valentin und Liesl Karlstadt zu Ehren wurden auf dem Viktualienmarkt zwei Brunnen errichtet.