Donnerstag, 28. Februar 2013

Der Geburtsort des bayerischen Papstes




Was wird jetzt wohl aus dem Papst-Museum in Marktl

Marktl am Inn - 
Der Geburtsort des Ex-Papstes 
als Erholungsort



„Back to the roots – Zurück zu den Ursprüngen“, zurück zur Natur. Oberbayerns ursprüngliche Dörfer, die Seen und Flüsse und die natürlich erhaltenen Landschaften bieten sich geradezu an für diesen Trend. Die ideale Umgebung zum Erholen und Entspannen. Zum Radfahren, Wandern, Bootpaddeln, Golfen oder einfach nur die Ruhe und Stille genießen. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich einem eine Kuh in den Weg stellt. Das typische Bild der freilaufenden Wiederkäuer auf der Alm ist ein beliebtes Postkartenmotiv.

Es heißt nicht umsonst, der Rest der Welt belächelt die Bayern, fährt aber immer wieder gerne hin. Oberbayern bietet immer Platz für Klischees – Schuhplatteln, Fingerhakeln, Blasmusik und Tracht sind nur einige davon. Oberbayern – das spricht aber auch für landschaftliche Idylle, saftige Wiesen, schroffe Felsen, mächtige Bergmonumente und anspruchsvolle Wanderwege. Der Starnberger See, das Berchtesgadener Land, der Tegernsee und der Chiemgau sind Destinationen, die weit über Deutschland hinaus zum Inbegriff geworden sind. Dabei ist Oberbayern „viel vielfältiger“.

Oberbayern kann auch mit sanfteren, flacheren Landschaften aufwarten. Für diejenigen Urlauber, denen die gewaltigen Berge zu bedrohlich nah scheinen oder der Sport dort zu anspruchsvoll ist. Gerade an der Grenze zu Niederbayern ist die Umgebung nicht weniger malerisch, etwas zarter aber ebenso schön. Die für viele bezeichnende Berglandschaft Oberbayerns findet sich hier nicht. Und das ist besonders reizvoll. Marktl ist ein oberbayerischer Ort mit der Faszination der niederbayerischen Hügellandschaft.

In diesem grün geschwungenen Teil Oberbayerns im Landkreis Altötting in Süd-Ostbayern liegt die Marktgemeinde Marktl am Inn. Etwa vierzehn Kilometer von dem berühmten Wallfahrtsort Altötting entfernt, zwölf Kilometer von der Burgstadt Burghausen mit Europas längster Burg. Irgendwo zwischen München und Passau oder Straubing und Berchtesgaden. Nur sechzig Kilometer weit weg von der österreichischen Festspielstadt Salzburg. Ein idealer Ausgangspunkt für Ausflugsziele in die bayerische und österreichische Nachbarschaft.

Seit 1422 existiert der Ort, landschaftlich zauberhaft zwischen Inn und Alz gelegen, was ihm zwei Naturschutzgebiete beschert. Seit 1477 nach Genehmigung des Herzogs Ludwig des Reichen mit eigenem Wappen - Schiffshaken und Streichmaß, als Symbole der Schifffahrt und des Handels. Ein Zeichen dafür, dass schon immer reger Betrieb herrschte in der heutigen 2700-Seelen-Gemeinde.

Es gibt einen kleinen See mit Campingplatz, den Inntalradweg entlang des Flusses, zahlreiche Wander- und Radwege zu Naturschauplätzen und Aussichtspunkten. Typisch bayerische Biergärten, Themenrundgänge und Badeplätze. Angeln, Golfen und Kegeln gehören zum Freizeitangebot. Die Menschen sind bodenständig, leben von der Landwirtschaft oder der Industrie ringsum und vom Tourismus. Sie freuen sich über die Besucher aus der Ferne und erzählen gerne mit Begeisterung von ihrem Dorf. Und stoßen dabei seit einigen Jahren auf besonderes Interesse.

Seit „Deutschland Papst ist“ strömen regelrechte Menschenmassen in den pittoresken Ort, genießen den ländlichen Charakter und die erholsame Umgebung. Und wollen zum großen Teil eins – den Geburtsort des Oberhauptes der katholischen Kirche besuchen. Der kleine Joseph Ratzinger wurde in Marktl am Inn geboren.

Das Haus ist im ländlichen Stil, so wie die meisten alten Anwesen in Oberbayern. Viele sind noch erhalten, werden bewohnt und liebevoll gepflegt. Man pflegt Bräuche, Traditionen und Erhaltenswertes. Dieses Gebäude aus dem Jahr 1701 direkt am Marktplatz der Gemeinde Marktl in der Marktstraße 11 wurde beinah über Nacht zum Wallfahrtsort. Der am 13. Juli 1997 zum Ehrenbürger von Marktl ernannte Kurienkardinal wurde zu Papst Benedikt XVI. Und das Wohnen in seinem Geburtshaus für die Eigentümer unerträglich. Unzählige Gläubige pilgerten seitdem tagtäglich dorthin und wollten hinein in das Privathaus. Souvenirjäger aus aller Welt entfernten den Putz mit den Fingernägeln von den Wänden, um ein kleines Stück Papsthaus mit nach Hause zu nehmen. Andere begnügten sich damit nicht und nahmen gleich die Pflastersteine mit.

Man versuchte, durch die Fenster einen Blick ins Innere zu werfen, wollte das Geburtszimmer besichtigen. Das für Bayern so berüchtigte „Fensterln“ erreichte hier eine völlig neue Dimension. Die Bewohnerin verkaufte ihr Wohnhaus an die neu gegründete „Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI“. Diese gründete dort das Papstmuseum.
Längst hat man sich an all die Besucher gewöhnt, die im Anschluss an einen Besuch des Museums und der Taufkirche noch einkehren. Und direkt am Marktplatz im Cafe am Rathaus den Blick auf das geschäftige Treiben genießen. Aber auch an die Radler, die hier eine kleine Verschnaufpause einlegen. Leben oder Urlaub machen auf dem Land und doch im Blickpunkt der Welt – das ist und bleibt Marktl.