Dienstag, 3. November 2015

Bonmot "Untreue Tomate"

Bonmot "Untreue Tomate"

Können Tomaten untreu sein und wenn dann wem? Vielleicht dem Mozzarella, wenn sie sich mit grünem Salat verbünden statt dessen. Oder dem Basilikum. Der ist ja sehr geschmacksintensiv und manche Leute mögen ihn nicht. Wenn sich die Tomate dann den Kräutern aus der Provence nicht verweigert. Ist sie dann dem Basilikum gegenüber untreu. Lassen wir das. Mit Sicherheit gibt es wichtigere philosophische Themen, über die zu diskutieren es sich lohnt.

Dem Spruch untreue Tomate auf den Grund gegangen, landet man nämlich in einer ganz anderen, völlig überraschenden Richtung. Man höre und staune. Es besteht eine Verbindung zwischen der Tomate und dem italienischen Herzensbrecher mit seinem Ruf, der ihm vorauseilt. Oder der ihn verfolgt, je nachdem. Mittlerweile sind es ja längst nicht mehr überwiegend die Italiener, welche sich nicht schwer tun in fremden Revieren zu wildern.

Einst aber bestimmten Vorurteile noch mehr als heute die vermeintlichen Charakteristiken. Casanova mag zu diesem Image wohl seinen Anteil beigetragen haben. Und dass die Italiener gerne Tomaten essen, lässt sich nicht bestreiten. Ist ja auch kein Wunder, unter der Sonne des Südens reifen die Nachtschattengewächse besonders gut heran und entfalten ihr volles Aroma. Fazit: Die Italiener essen Tomaten und sind untreu. Punkt. Also steht eine untreue Tomate als Synonym für einen abtrünnigen Menschen.


Ob da ein wenig Neid dahinter gesteckt ist. Wer weiß. Das Liebäugeln mit weiblichen Personen ist ja nun nicht ausschließlich den Italienern vorbehalten. Welche übrigens - auch ein altes Vorurteil - sobald sie verheiratet sind ganz schön unter den Fittichen ihrer Ehefrauen stehen sollen. Dann flirten sie eben, um noch ein klein wenig ihrer Freiheiten auszukosten. Und dass sie dauernd Tomaten essen. So ein Unsinn, nicht wahr. Wissen wir doch heute, dass die Italiener Spaghetti mit Knoblauch und Öl am häufigsten verzehren neben der Pizza - auf der zugegeben auch Tomaten vorhanden sind. Die Deutschen essen Kraut, die Türken Döner. Vorurteile kleben wie Kletten.