Montag, 2. November 2015

Buchrezension "Schmatzen erlaubt, Herr Knigge"



Nichts ist für die Chinesen schlimmer als ihr Gesicht zu verlieren: Damit der Geschäftsreisende in China nicht sein Gesicht verliert, bietet das Buch „Schmatzen erlaubt, Herr Knigge?“ eine Anleitung für die chinesische Business-Etikette, einen roten Faden durch das Reich der Mitte sozusagen.

China ist anders, ganz anders. Die Menschen und die Kultur. Aber – so lässt uns der Autor wissen – die Chinesen sind auch sehr kulant und tolerant gegenüber Ausländern. Zum Glück. Zu leicht könnte man sich sonst aus der Ruhe bringen lassen angesichts der vielen Andersartigkeiten. Und regelrecht Angst verspüren, sich nicht angemessen zu verhalten. Dennoch, ein Grundverständnis für die chinesische Kultur und die Gewohnheiten der Menschen sollte man sich schon erwerben, bevor man sich auf die Reise macht. Noch dazu, wenn es sich um eine Geschäftsreise handelt.

So versteht sich das Buch als Berater und ist zur Seite, wenn man sich auf eine bestimmte Situation vorbereiten möchte. Oberstes Gebot, oder zumindest ein sehr wichtiges, bei Tisch nie ein Taschentuch benutzen. Dazu verzieht man sich auf die Toilette. Nase hochziehen ist dagegen ausdrücklich erlaubt. In China wohlgemerkt. Nicht bei uns hier in Europa. Ebenso stillos ist lautes Sprechen oder gar Lachen. Während diese Regeln jedoch beim traditionellen chinesischen Kampftrinken, welches als fester Bestandteil eines abendlichen Geschäftsessens gilt, außer Kraft gesetzt sind.

Suppe wird nicht gelöffelt, sondern getrunken. Hund oder Katze werden Europäern heute nur noch selten gereicht. Falls doch kann man das Gericht mit dem Hinweis auf kulturelle Essgewohnheiten aber auch getrost abweisen. Häufig haben Nahrungsmittel in China auch eine symbolische Bedeutung. Lange Nudeln stehen für ein langes Leben, das dem Gast gewünscht wird. Sollte der Gastgeber jedoch die Teeschale des Gastes ausschütten, ist irgendetwas schief gelaufen. Dies kommt nämlich einem Rauswurf gleich.

Höflichkeit ist in China dennoch wichtiger als Ehrlichkeit. Weiß man die Zeichen jedoch richtig zu deuten, so machen die Chinesen durch ihr Verhalten und ihre Gesten durchaus ihren Standpunkt deutlich klar. Jemandem in der Öffentlichkeit zu widersprechen wird in China nicht gerne gesehen, eine offene Streitkultur gibt es dort nicht. Dennoch erwartet man klare Worte, was Forderungen und Vorstellungen angeht.

Unhöflich ist es im Reich der Mitte übrigens auch nicht, den Gast im Fahrzeug hinter dem Beifahrersitz zu parken. Hier gilt dies als Platz für den ranghöchsten Fahrgast. Fällt die anschießende Verabschiedung übrigens kurz aus, kann man dies als gutes Zeichen werten. Ist die Verhandlung allerdings nicht positiv ausgegangen, wird der chinesische Verhandlungspartner versuchen, zumindest die Verabschiedung möglichst höflich zu gestalten.

Wer sich aber an die Benimm-Regeln des Buches gehalten hat, darf vermutlich getrost auf eine kurze Verabschiedung hoffen. Der chinesische Knigge ist handlich und somit immer griffbereit. Durch den Aufbau in Stichpunkten nach dem ABC kann auch jederzeit der Leitfaden – natürlich heimlich – herausgezogen werden und das passende Verhalten in der aktuellen Situation nachgeschlagen werden.

Das Buch ist eine hervorragende Vorbereitung für eine Geschäftsreise ins Reich der Mitte aber auch für jeden anderen eine amüsante, informative Lektüre.

Schmatzen erlaubt, Herr Knigge? Von Lutz Berners, Miriam Fritz, Susanne Heimburger und Nora Frisch, Drachenhaus Verlag, ISBN 978-3-943314-07-6,