Montag, 2. November 2015

Buchrezension "Die letzte Reise"



Eine Reise über deutsche Friedhöfe: Endstation des irdischen oder Anfangspunkt des ewigen Lebens ist in unserem abendländischen Kulturkreis in der Regel der Friedhof. Er ist über die Jahrhunderte Zeuge historischer, kultureller und gesellschaftlicher Wandlungsprozesse geworden. Der Einfluss des Zeitgeistes ist unübersehbar. Aber auch der Wunsch der Menschen, in Erinnerung zu bleiben durch in Stein gravierte Namen. Und die Hoffnung, dass Angehörige diese letzte Stätte liebevoll zu einem kleinen Garten Eden machen.

Ein interessanter Aspekt, das Interesse an Grab- und Bestattungskultur mit der Leidenschaft für Gärtengestaltung zu kombinieren. Der Autor ist fasziniert von der Grab- und Bestattungskultur und hegt eine Leidenschaft für gepflegte Gärten und Grünanlagen. So ist das Buch nicht nur ein Spiegel für die Einstellung der Menschen dem Tod gegenüber als letzte Station, sondern auch ein Kulturführer in unterschiedliche Regionen und Vorlieben. Darüber hinaus lenkt es den Blick auf die Natur, die hier als Gegensatz eine große Rolle spielt.

Familiengrabstätten, prachtvoll Mausoleen, einfache Soldatengräber, Sarkophage - immer in Zusammenhang mit der Umgebung und der Symbiose mit der Natur betrachtet. Dies alles symbolisiert der umfangreiche Bildband und zugleich die Hoffnung, dass wie es Heinz Rühmann ausdrückte, der Schöpfer nicht so verschwenderisch mit dem Wunderbaren des menschlichen Körpers wäre. Weswegen mit dem Tod nicht alles aus ist - „Wir verlassen die Erde. Aber wir kommen wieder“ wird er in dem Bildband zitiert.

Weitere Zitate von Rainer Maria Rilke oder Mahatma Gandhi regen zum Nachdenken an und lassen den Blick des Betrachters auf den zahlreichen Abbildungen verweilen. Sie stellen zum Teil Grabstätten, Heiligenfiguren oder Bepflanzungen in den Vordergrund. Oder konzentrieren sich auf Ausschnitte, Buchstaben oder Hintergründe. Und auf die fotografierten Details, die den Blick auf sich ziehen wie bunte Lichtflecke auf den sonst tristen Flächen. Mit den Augen eines Flaneurs, der ohne konkretes Ziel nach Eindrücken sucht.

Im Gegensatz zu anderen Bildbänden, die sich mit Friedhöfen beschäftigen ist es keine Aufzählung der Grabstätten Prominenter, sondern eine Reise durch Friedhöfe in Deutschland von Sylt bis Konstanz. Die verdeutlichen soll, dass Religion, sozialer Stand, Reichtum, Armut und ein unterschiedliches Gestaltungsbedürfnis auch über den Tod hinaus wirken.

Ein Buch welches den Leser auf die allgegenwärtige Thematik der „Endstation des irdischen Lebens“ verweist und nachdenklich stimmt. Aber auch die Aufmerksamkeit auf die gestalterische Vielfalt eines Friedhofes und der darin befindlichen Gräber lenkt.


Die letzte Reise von Clemens Menne, ISBN 978-3-927372-76-4, Systemed Verlag, www.systemed.de