Sonntag, 1. November 2015

Unter der Oberfläche

Buchrezension "Unter der Oberfläche"


Tauchen ist wie Eintauchen in eine andere Welt. Ein kleines Stück dieser Faszination der wunderbaren Unterwasserlandschaft mit ihren bezaubernden Lebewesen erfährt der Leser mithilfe des Bildbandes „Unter der Oberfläche“ von Manfred Wakolbinger. Die Essays stammen von Christoph Ransmayr, Träger des Franz-Kafka-Preises und Wolf D. Prix, Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien. Sämtliche Texte sind auch in der englischen Übersetzung abgedruckt.



Wakolbinger fasziniert die Schwerelosigkeit unter Wasser, er fotografiert mit Begeisterung und Akribie die ungewöhnlichen Meerestiere in ihrem Lebensraum. Wenn es mal nichts zu finden gibt was sich abzulichten lohnt, so sagt er, dann schlägt er eben Purzelbäume unter Wasser und genießt das Gefühl der Leichtigkeit.

Zum Glück aber ist das selten der Fall und so entstand dieser hochwertige Bildband mit unglaublich schönen Motiven zum Träumen. Was beim Schmökern beim Betrachter dieser zauberhaften Bilder vorgeht lässt sich schwer beschreiben: es ist eine Mischung aus Bewunderung, Staunen, Entspannen und Genießen.

Da es sich auf den meisten Bildern um Tiere handelt, welche der Laie nicht kennt, werden die Namen und Vorgänge unten am Rand, ohne das Bild im Gesamteindruck zu zerstören, vermerkt. Allein schon das Lesen lässt erahnen, welch unbekannte Welt sich „Unter der Oberfläche“ auftut und wie kompliziert und doch einfach die Zusammenhänge in der Wasserwelt funktionieren. 

Zwischendurch erklären auch umfangreichere Kurztexte diese für viele bisher unerschlossene Welt. Ohne den Leser aber mit Fachbegriffen und Sachwissen zu überfordern. Ein auch für Nicht-Taucher empfehlenswerter Bildband.

Manche Unterwassertiere signalisieren durch auffallende Färbung auf den ersten Blick – ich zeige mich so – ich bin giftig wie z.B. der Metasepia pfefferi, Pfeffers Prachtsepia (Flamboyant Cuttlefish). Ihn konnte Wakolbinger just in dem Moment fotografieren, als er seine pfeilartige Zunge ausfuhr um ein Opfer zu erfassen. Solche Motive ziehen sich durch das Buch und lassen erahnen wie viel Geduld der Fotograf aufwenden musste, um diesen nur Sekunden dauernden Augenblick einzufangen.
Manche Fotos eröffnen erst bei näherer Betrachtung den Blick auf das Wesen, das „Fotomotiv“, wenn sich die Tiere perfekt getarnt in die Umgebung einfügen. Der Bildband ist somit ständig neu zu entdecken und zum mehrmals aus dem Regal holen hervorragend geeignet. Die ausgezeichnete Farbbrillanz und die hohe Druckqualität rechtfertigen den Preis.

Ein hochwertiger Bildband, der zum Träumen veranlasst und ganz nebenbei interessante Neuigkeiten von der Welt „Unter der Oberfläche“ vermittelt.

Unter der Oberfläche von Manfred Wakolbinger, Springer Wien New York, ISBN 978-3—7091-1074-4, www.springer.at