Sonntag, 1. November 2015

Buchrezension Herbert Tichy – Das Leben als Reise



Der Bergsteiger Herbert Tichy wäre 2012 einhundert Jahre alt geworden. Ein Abenteurer, Reiseschriftsteller, Journalist, Reisender, Globetrotter und Forscher. Ein Wanderer zwischen den Welten und eine faszinierende Persönlichkeit, wie Wolfgang Nairz über ihn schreibt. Verstorben ist er kurz nach der Feier seines 75. Geburtstages in Wien. Noch lange weiterleben werden aber sein Mythos, seine Geschichten und Berichte und die Menschen, welche von ihm direkt und aus seinen Büchern gelernt haben.

Das Leben als Reise ist kein Buch über die Erfolge oder die Erzählungen des Reiseschriftstellers, Sie werden beschrieben, spielen aber nur eine untergeordnete Rolle Im Vordergrund steht das Denken und Fühlen des Menschen Herbert Tichy.

Das Buch wiederholt nicht seine unglaublich bildhaft geschriebenen Texte, sondern lässt Personen zu Wort kommen, welche ihn gekannt haben. Menschen die ihn unter verschiedenen Lebensbedingungen kennen-  und lieben gelernt haben und während unterschiedlicher Zeitabschnitte seines  Wirkens begleitet haben. Anekdoten über Tichy und mit ihm erlebte Situationen des alltäglichen Lebens bereichern das Buch.

Respektvoll beschreiben sie die Höhen und Tiefen, die Zweifel und die Einzigartigkeit dieses begnadeten Schriftstellers. Seine Bedeutung als Bergsteiger, der das Himalaya-Bergsteigen revolutioniert hat. Und darüber hinaus was wir laut Lutz Maurer, der ihn als Kameramann kennen gelernt hat,  von ihm lernen können. Wege nach Weisheit zu suchen.

Karl Lukan, österreichischer Bergsteiger und Autor von mehr als fünfzig Büchern zum Thema Bergsteigen berichtet über Tichys gespaltenes Verhältnis zum Schreiben, Susanne Hochwälder von ihrem ersten Treffen in ausgelassener Runde mit Tichy kurz nach der Bezwingung des über 8000 Meter hohen Berges Cho Oyu in Tibet gemeinsam mit seinem Bergkameraden Sepp Jöchler. Dessen Tochter erinnert sich an den Bergkameraden ihres Vaters als Respektsperson, der eine große Gelassenheit ausgestrahlt hat und ist nach ihren Angaben froh, ihn kennen gelernt zu haben und wäre dafür gerne in einem reiferen Altern gewesen.  

Im Anhang finden sich einige Original-Briefe an Tichy im Hinblick auf die Cho-Oyu-Expedition, Literaturhinweise und eine kurze Übersicht über die Lebensdaten. Eingestreut in den Band befinden sich zahlreiche Originalbilder.

Ein Buch, welches uns den Autor und sein Schaffen so nahe bringt, dass man glauben könnte er selbst hätte uns ein Stück unseres Lebensweges begleitet.

Herbert Tichy, Das Leben als Reise, Tyrolia Verlag, ISBN 978-3702-2317-29, www.tyrolia-verlag.at