Montag, 2. November 2015

Buchrezension "Metronom"

Métronom

Die Geschichte Frankreichs im Takt der Pariser Métro: Jede Haltestelle ruft durch ihren Standort oder ihren Namen ein Stück der Vergangenheit und der Entwicklung nicht nur von Paris, sondern von ganz Frankreich in Erinnerung. Die Metrostationen führen direkt in die Geschichte hinein. Das Buch soll ein Instrument sein, das den Takt schlägt und die Zeit rhythmisiert. Deswegen wurde für die Reise durch Paris der Buchtitel „Métronom“ gewählt.

So jedenfalls beschreibt der Autor die Idee für sein Buch. Der, wie er sagt mit seinem Beruf Geschichte betreiben kann. Als Schauspieler schlüpfte er in die Rolle von La Fontaine, Fouquet, Mozart oder Sartre. So wurde in gewisser Weise die Geschichte zu seiner Berufung und zur Inspiration für das Buch. Lorànt Deutsch verfügt durch seine Erfahrungen über eine „Zeitmaschine“. Dieses Wissen und die Kenntnis der Vorgänge in den vergangenen Jahrhunderten finden sich in seinem Werk wieder.



Der Leser wird durch die Geschichte geführt, beginnend an der Métro-Station „Ile de la Cité“. Dem Platz, welcher die Anfänge von Paris aufzeigen soll. Die Ile de la Cité hat tatsächlich die Form einer Wiege, ob es tatsächlich die Wiege von Paris ist - dieses Lutetia, Oppidum der Parisii, auf einer Insel in der Seine  gelegen, von denen Julius Caesar in seiner Schrift der Gallische Krieg erzählt?

Ein paar Jahrhunderte später ist Paris die Hauptstadt von Frankreich. An der Station Auguste Philippe erlebbar durch zahlreiche Fragmente des ehemals neun Meter hohen und drei Meter dicken Festungswalls.

Bis der Leser schließlich im 21. Jahrhundert angekommen ist, in „La Defense“, nach Meinung des Autors die Krone des schlechten Geschmacks. Womit die Grande Arche gemeint ist.

Gewiss wird ein Paris Tourist nicht kreuz und quer durch die Gegend fahren, um an den einzelnen Stationen der Métro die Spielstätten vergangener Jahrhunderte zu erforschen. Aber für denjenigen der sich etwas mehr Zeit nehmen will, kann das Buch als intensiver Reiseführer dienen. Die eine oder andere Station steht vielleicht ohnehin auf dem Plan, wie z.B. die Station Palais Royal – Museé du Louvre, weil dort der Ausstieg zum Louvre ist zum Beispiel. Auf jeden Fall ist es ein interessanter Leitfaden und sollte man zufällig eine dieser Stationen ohnehin auf seinem Weg durch Paris begegnen, so verhelfen die Beschreibungen dazu, die Geschichte des Platzes zu erspüren.

Die Idee für den Aufbau des Buches ist außergewöhnlich und gut gelungen. Ein geeignetes Konzept, mit Hilfe der Métrostationen durch die Jahrhunderte in Paris zu wandeln. Während der Lektüre hat der Leser das Gefühl, persönlich durch die Geschichte der Stadt an der Seine geführt zu werden.


Métronom von Lorànt Deutsch, Propyläen Verlag, ISBN 978-3-549-07440-4, www.propyläen-verlag.de